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Tibet-Information der GSTF vom 11. April 2013

Tibeterin zündet sich aus Protest gegen Häuserabriss an

Am 4. April setzte sich eine Tibeterin, deren Namen nicht bekannt ist, in der Stadt Kyegudo in Brand, um gegen den Abriss von Häusern zu protestieren. Die Flammen konnten von Tibetern gelöscht werden, so dass die Frau ohne lebensgefährliche Verletzungen überlebte. Ihre Tat geschah aus Protest gegen den Abriss behelfsmässiger Wohnungen, die die Tibeter nach dem Erdbeben dort errichtet hatten.

In dieser osttibetischen Region hatte sich vor genau 3 Jahren ein schweres Erdbeben ereignet, das mehrere tausend Todesopfer forderte [vergl. Tibet-Information vom 19. und 23. April 2010; UM]. Schon kurz nach dem Erdbeben waren Vorwürfe laut geworden, die Behörden seien nicht daran interessiert gewesen, die zerstörten Häuser für Tibeter an gleicher Stelle wieder aufzubauen. Vielmehr wurden viele tibetische Liegenschaften enteignet, besonders solche, die an lukrativer Lage an den zwei Hauptstrassen des Ortes lagen. Dort gibt es Pläne, neue Geschäftshäuser und Touristenunterkünfte zu bauen. Die Tibeter wurden stattdessen nur unvollständig entschädigt und in minderwertige Gebäude in der Peripherie umgesiedelt. Teilweise protestierten Tibeter dagegen, indem sie in den Ruinen ihrer Häsuer campierten. Es kam auch zu einem Massenprotest vor dem Gebäude der Lokalverwaltung [vergl. Tibet-Information vom 24. Juni und 11. August 2010; UM].

Zum jetzigen Protest kam es, als die Behörden Unterkünfte und Zelte gewaltsam niederreisen liessen. Als Grund wurde angeführt, die Bewohner seien nicht offiziell registriert gewesen. Es wurden offenbar auch Behausungen abgerissen, die Tibeter provisorisch auf ihrem eigenen Land errichtet hatten. Mitunter hätten die Tibeter nicht einmal Zeit gehabt, vor dem Abriss ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen.

Hintergrundbericht zum Berkwerksunglück in Gyama

Am 30. März begrub ein Erdrutsch im Bergwerk von Gyama im Bezirk Medrogungkar, etwa 70 km von Lhasa entfernt, 83 Arbeiter, von denen niemand überlebte. Die Tibetische Regierung im Exil befürchtet, dass dieser Erdrutsch das Resultat von rücksichtslosem Abbau ist.

In Gyama wird der Abbau von Kupfer, Molybdän, Gold, Silber, Blei und Zink betrieben. Das Bergwerk wurde im vergangenen Jahr als „Pilotprojekt“ für Nachhaltigkeit, „soziale Verantwortung“, und „nationale Einheit“ ausgewählt. Es sollte höhere Standards als andere für sichere Produktion, „Harmonie mit der Gemeinschaft und Verantwortung für das Wohlergehen der Gesellschaft“ einhalten.

Im Gegensatz zu diesen Prinzipien sei der Abbau seit der Fusion von 4 kleineren Anlagen zum jetzigen Bergwerk im Jahre 2007 besonders aggressiv und rücksichtslos vorangetrieben worden. Die Anlage umfasst insgesamt fast 150 Quadratkilometer. Die Betreiber hätten in ihrem Expansionsdrang teilweise ganze Berge abgetragen. Auch zog die Expansion zahlreiche chinesische Wanderarbeiter an. Das könnte die Tatsache erklären, dass sich unter den 83 Todesopfern nur 2 Tibeter befinden.

Mehrfach kam es zu Protesten der Anwohner gegen Zwangsenteignungen, Umleitungen von Flüssen mit Versiegen des Grundwassers, vergifteten Abraum und verschmutzte Gewässer [vergl. Tibet-Information vom 10. Januar 2011; UM]. Nach einer Untersuchung, die in einem renommierten niederländischen Wissenschaftsjournal veröffentlicht wurde [Science for the Total Environment, Elsevier-Verlag, September 2010; UM], haben im Flussbett des Gyama-Flusses die Konzentrationen von mehreren Metallen in den letzten 20 Jahren erheblich zugenommen. Die Autoren des Berichts warnen vor den Gesundheitsrisiken, wenn diese Metalle Aufnahme in die Nahrung finden. Mehr noch, der Gyama-Fluss mündet in den Kiychu-Fluss, der durch Lhasa mit seinen über 180‘000 Einwohnern fliesst und schliesslich in den Yarlung Tsangpo mündet, der schliesslich als Brahmaputra in Bangladesh in das Meer mündet. Damit gefährden Rückstände potenziell eine grosse Bevölkerungszahl.

Quellen: Radio Free Asia; Central Tibetan Administration

Zusammengestellt für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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