Allgemein Politik

Tibet-Information der GSTF vom 01. Oktober 2013

Vater von 3 Kindern verbrennt sich in Ngaba

Der 41 Jahre alte Sichung, Vater von 2 Kindern, hat sich am 28. September in der Ortschaft Thawa in der Präfektur Ngaba selbst verbrannt. Laut Augenzeugen verliess er am Nachmittag des 28. September das jährlich in der Ortschaft stattfindende Gebetsfest und ging zurück zu seinem Haus. Dann entzündete er eine Butterlampe vor einem Portrait des Dalai Lama. Kurz darauf wurde er vor dem Eingangstor seines Hauses in Flammen stehend gesehen und starb, nachdem er noch einige Schritte gelaufen war, auf der Stelle.

Als sich die Selbstverbrennung herumsprach und die Anwohner zu seinem Leichnam strömten, entwickelte sich eine Auseinandersetzung mit den Sicherheitskräften, die beim Gebetsfest ohnehin in grosser Zahl anwesend waren und die Anwesenden beobachteten. Die Sicherheitskräfte wollten den Leichnam entfernen und sollen den protestierenden Tibetern schon mit gezogenen Waffen gegenübergestanden haben, als im letzten Moment noch ein Kompromiss ausgehandelt wurde. Es wurde zugestanden, dass die Totenrituale noch in seinem Wohnhaus abgehalten werden durften. Später am Abend erschienen die Sicherheitskräfte ohne Vorankündigung und nahmen den Leichnam in einem Lieferwagen mit, der dann in Richtung Ngaba fuhr. Über den Verbleib des Leichnams ist nichts mehr bekannt.

Sichung hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Er galt in der Region als ein sehr talentierter Schneider, der seine Kleider meist anlässlich von Festen verkaufte. Ein Freund berichtete, dass Sichung wenige Tage vorher ihm gegenüber beklagt habe, dass die Chinesen auf die Tibeter verächtlich herabschauten und sie nicht in Frieden leben lassen wollten.

Gedenk-Konferenz über berühmten Schriftsteller verboten

Die Behörden in der Präfektur Ngaba, die Schauplatz einer grossen Zahl von Selbstverbrennungen war, haben eine Konferenz zum Gedenken an den Schriftsteller Gendun Choephel (1903-1951) verboten. Geplant wurde diese Konferenz gemeinsam von einer Gruppe von Mönchen aus Klöstern der Region Ngaba und Laien, die auch die nötigen Geldmittel aufgetrieben hatten. Diese Konferenz sollte am 24. August in einem Restaurant stattfinden. Die Teilnehmer wollten das Lebenswerk von Gendun Choepel und seinen Einfluss auf die heutige Zeit diskutieren. Wenige Tage vor der Konferenz wurde diese aber von den lokalen Behörden verboten.

Der Hintergrund des ausgesprochenen Verbots ist nicht klar. Gendun Choephel galt als brillianter, aber auch kontroverser Schriftsteller, der in Tibet und Indien wirkte. Er kritisierte das tibetische Establishment und wurde deswegen sogar vom offiziellen China als „progressive Gestalt“ der zeitgenössischen tibetischen Kultur gewürdigt. Auf der anderen Seite unterstützte er aber auch die tibetische Unabhängigkeit.

Das Verbot der Konferenz folgt auf eine Serie von Verhaftungen tibetischer Schriftsteller, Musiker und Künstler in den vergangenen Monaten.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD; freetibet.org; Radio Free Asia RFA

Zusammengestellt für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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