Allgemein Politik

Tibet-Information der GSTF vom 09. Oktober 2013

Schüsse auf Tibeter – 60 Verletzte

Im Bezirk Driru ereigneten sich weitere Proteste, wobei etwa 60 Tibeter durch Schüsse von Sicherheitkräften verletzte wurden. Die Proteste begannen, als Nachrichten von zwei Verhaftungen publik wurden. Um dagegen zu protestieren, hatten sich am 6. Oktober Tibeter in der Ortschaft Dathang versammelt, worauf etwa 300 Sicherheitskräfte das Feuer auf sie eröffneten.

Bereits am 3. September war der 68-jährige Dayang verhaftet worden, weil er bei einer Kulturvorstellung Parolen für die Freiheit Tibets rief und die Rückkehr des Dalai Lama forderte. Tanz- und Musikvorstellungen sind Teil der gegenwärtigen „Massenlinien“-Kampagne, bei denen die Tibeter chinesische Fahnen zu schwenken haben und „glücklich“ erscheinen sollen. Dayang konnte nach dem Protest zunächst in sein Haus zurückkehren, wurde aber mitten in der Nacht verhaftet. Erst mehrere Tage nach seiner Verhaftung erfuhren Angehörige, dass er im örtlichen Spital wegen Verletzungen behandelt wurde, die mutmasslich von Misshandlungen in der Haft herrühren. Am 7. Oktober wurde er in ein anderes Spital in Lhasa verlegt. Angehörige dürfen ihn nicht besuchen, und Details über seinen Zustand sind nicht zu erfahren.

Die zweite Verhaftung, die die Proteste auslöste, war die eines tibetischen Jugendlichen namens Dorje Dragtsel. Er war bekannt für seine Ablehnung gegen die die kommunistischen Kader, die die gegenwärtige Kampagne durchführen. Er war mit Freunden auf dem Weg in die Bezirksstadt Nagqu und verschwand dort spurlos.

Auch im Dorf Tsachu gab es etwa 100 Verletzte durch Schläge von Sicherheitskräften, als sich Dorfbewohner im Protest gegen die Verhaftung von Dayang versammelten. Nach Informationen von TCHRD dürfen die Bewohner, auch die Verletzten, nicht ihre Häuser verlassen.

 

Weitere Nachrichten über Protestaktion in Mowa

TCHRD erhielt weitere Einzelheiten über Verhaftungen und die Lage im Dorf Mowa nach dem Beginn der Proteste am 29. September. Das Dorf Mowa ist praktisch unter Hausarrest. Die Bewohner dürfen ihre Häuser nicht verlassen; nicht einmal, um sich um ihre Viehherden zu kümmern. Alle Kommunikationsleitungen, ob Mobiltelefonie oder Internet, sind blockiert. Alle Strassen sind gesperrt, und es ist niemandem erlaubt, in das Dorf zu reisen.

Einer der verletzten Tibeter, der 25-jährige Tsering Gyaltsen, der der Gruppe von 40 Tibetern angehörte, die nach den Ereignissen am 28. September eine Petition an die Behörden richtete, wurde bei der Aktion von Sicherheitskräften eingekesselt. Nach Angaben von Augenzeugen sollen ihn Sicherheitskräfte als einen bekannten „Separatisten“ identifiziert und besonders schwer geschlagen haben. Erst einige Tage später, am 5. Oktober, erfuhren Angehörige, dass er sich wegen schwerer innerer Verletzungen in einem Spital in Lhasa befindet. Zwei Freunde machten sich auf den Weg, um ihn zu besuchen. Einer von ihnen, ein Tibeter namens Choezin, verschwand spurlos, nachdem er das Spital betreten hatte. Sein Freund, der ihn begleitete, fürchtet, dass er von Sicherheitskräften verhaftet wurde, die Tsering Gyaltsen dort bewachen.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD

Zusammengestellt für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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