Allgemein

Tibet-Information der GSTF vom 1. April 2014

130. Flammenopfer: Tibetische Nonne setzt sich in Flammen

Am 26. März setzte sich die 31-jährige Nonne Dolma in Brand. Sie tat dieses am Nachmittag während der rituellen Umwandlung des Klosters Ba Choede im Bezirk Bathang in der osttibetischen Präfektur Kardze. Andere Tibeter, die sich ebenfalls auf dem Umwandlungsweg befanden, konnten die Flammen löschen und Dolma in das Krankenhaus von Bathang bringen. Über ihren Zustand ist nichts bekannt.

Sicherheitskräfte riegelten sowohl das Kloster als auch das Krankenhaus ab und erlaubtem niemandem Zutritt. Laut Radio Free Asia wurden kurz darauf 6 Nonnen verhaftet, die Dolma nahe standen. Auch wurden alle Kommunikationskanäle in die Region abgeschaltet.

Bevor sie sich in Flammen setzte, hatte sich Dolma für mehrere Monate in ein Retreat in einem kleinen Kloster in der Nähe zurückgezogen. Sie stammt aus der Familie Thonglaka Tsang, die in der Region wegen ihrer Teilnahme am Kampf gegen die chinesische Invasion in den 50-er Jahren sehr bekannt ist. Mehrere Mitglieder der Familie, darunter auch ihr Vater, kamen bei den Kämpfen ums Leben. Dolma hat noch drei Brüder, die alle hochrangige Mönche sind.

Schmerzsteigernde Injektionen – eine neue Foltermethode?

Am 19. März starb in seinem Haus in Machu in der nordost-tibetischen Präfektur Kanlho der 41-jährige politische Gefangene Goshul Lobsang an den Folgen schwerster Folter. Er war im Mai 2010 nach zweijähriger Flucht wegen angeblicher Verwicklung in den Aufstand vom März 2008 festgenommen und danach für 6 Monate systematischer Folter unterzogen worden, bevor er zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde. Im Oktober 2013 wurde er aber „aus medizinischen Gründen“ vorzeitig nach Hause entlassen. Fotos, die von TCHRD unter http://www.tchrd.org/2014/03/tibetan-political-prisoner-on-medical-parole-dies-of-torture-injuries/ publiziert wurden, zeigen einen bis auf die Knochen abgemagerten Mann. Seine Angehörigen berichten, dass er vor seinem Tode weder laufen noch essen, trinken oder sprechen konnte.

Es ist eine bekannte Praxis der Behörden, misshandelte Gefangene vorzeitig nach Hause zu entlassen, wenn sich deren Gesundheitszustand so sehr verschlechtert, dass sie bald sterben werden.

TCHRD erreichten kürzlich Berichte von mehreren Informanten aus dem gleichen Dorf, dass Lobsang Goshul während der Folter Injektionen erhielt, die den erlittenen Schmerz noch erheblich steigerten. Ausserdem seien ihm Schlaf und Essen vorenthalten worden. Eine weitere Foltermethode bestand darin, ihm mit Kraft Zahnstocher und andere zugespitzte Gegenstände unter die Fingernägel zu stechen, so dass er zeitweise seine Hände nicht gebrauchen konnte.

Auch liegt TCHRD ein Dokument vor, das Lobsung Goshul im September 2012 in Haft verfasst hatte und wenige Wochen vor seinem Tode einigen Freunden zugänglich machte. In dem Dokument, das TCHRD vollständig übersetzt hat, erklärt er, dass er trotz aller Qualen nicht bereit sei, sich der Repression zu beugen und den eingeschlagenen Weg nicht bedauere. Das einzige, was ihn schmerze, sei die mangelnde Solidarität unter Tibetern.

Quellen: Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD; Phayul; Radio Free Asia RFA

Zusammengestellt und redigiert für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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