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Tibet – Info der GSTF vom 7. November 2014

Demonstration gegen unfaire Preise für Land

Allen Repressionen zum Trotz haben am 3. November Tibeter und auch einige in der Region lebende Chinesen in Sangchu im Nordwesten Tibets in der heutigen Provinz Gansu gegen unfaire Preise für den Kauf von Land durch die Lokalregierung protestiert.

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Fotos, die ICT zugespielt wurden (hier weitere Bilder) und Amateurvideos, zeigen Demonstranten mit einem Banner und von Sicherheitskräften errichtete Barrikaden, die den Marsch der Demonstranten vom Versammlungsort zum lokalen Regierungsgebäude unterbinden sollten.

Der Protest richtete sich gegen gegen unfaire Preise beim Kauf von Land, das Tibetern gehörte, durch die Behörden; diese hätten Preise für den Landkauf bei mehreren Gelegenheiten nach Gutdünken zu ihren Gunsten verändert. Die Landkäufe sind zu sehen im Kontext der Umsiedlung von Nomaden im Rahmen der Kampagne „Ein neues sozialistisches Landleben aufbauen“. Ein Amateurvideo zeigt die Demonstranten, unter ihnen auch Frauen und Kinder, wie sie den Sicherheitskräften ihr konfisziertes Banner wieder entreissen, dazu hört man aus einer Gruppe von Tibetern und Sicherheitskräften Rufe, dass Letztere mit Schlagstöcken prügelten.

Schülerdemonstration gegen Sprachunterricht

Anlässlich eines offiziellen Meetings über den Sprachunterricht in Schulen haben am 1. November über 100 tibetische Schülerinnen und Schüler gegen die Verdrängung der tibetischen Sprache demonstriert. Die Regierung hatte am 29. Oktober in Dzoege in der Präfektur Ngaba einen Workshop abgehalten. Dort sei unter anderem der Vorschlag diskutiert worden, in Schulen zwei Leistungsniveaus pro Klassenstufe einzuführen. Die Schüler fürchteten, dass durch ein elitäres Konzept die schwächeren Leistungsstufen keine Weiterbildungs- und Berufschancen mehr hätten. Ausserdem richteten sich die Proteste gegen das Konzept des „bilingualen Unterrichts“. Was auf den ersten Blick wie ein Konzept zur Gleichberechtigung von chinesischer und tibetischer Sprache im Schulunterricht aussieht, bedeutet in der Realität, dass Chinesisch erste Unterrichtssprache wird und Tibetisch auf das Niveau von Fremdsprachenunterricht degradiert wird.

Der Schülerprotest, von dem es ein heimlich aufgenommenes Amateurvideo gibt, entstand, nachdem ein Offizieller einen Vortrag gehalten hatte und sich über das geringe Bildungsniveau unter tibetischen Nomaden beklagte. Die Schüler riefen Slogans wie „Gleichheit der Sprachen“ und „Lieber hunderten helfen als einem“.

Tibeter erhalten Gefängnisstrafen wegen „Hilfe zur Selbstverbrennung“

In der Präfektur Ngaba wurden acht Tibeter, von denen drei namentlich bekannt sind, zu Gefängnisstrafen von bis zu 5 Jahren verurteilt, weil sie Hilfe zu einer Selbstverbrennung geleistet hätten, was vom Gericht als „Mord“ gewertet wurde. Unter den Verurteilten befindet sich mit einer dreijährigen Haftstrafe Dolma Tso. Diese hatte nach Angaben ihres im Exil lebenden Bruders lediglich dabei geholfen, den verkohlten Körper in ein Fahrzeug zu laden. Kunchok Tseten, ein 30-jähriger Vater zweier Kinder, hatte sich am 3. Dezember 2013 in Meruma in der Präfektur Ngaba angezündet und war auf der Fahrt in ein Spital gestorben .

Quellen: International Campaign for Tibet ICT; Phayul; Radio Free Asia RFA

Zusammengestellt und redigiert für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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