Allgemein

Tibet-Info der GSTF vom 19. November 2014

Personaldokumente von protestierenden Nomaden konfisziert
Eine Gruppe von Nomaden in der Autonomen Präfektur Yulshul musste sämtliche Personaldokumente abgeben, als sie gegen ihre erzwungene Umsiedlung protestierte. Als die Nomaden am 25. Oktober ihren Umzug in eine entlegene Siedlung verweigerten, mussten sie sämtliche Personaldokumente wie Identitätskarte, Fahrausweis und Aufenthaltsbewilligung abgeben. Die Behörden rechtfertigten diesen Schritt mit dem „Ungehorsam“ der Betroffenen. Als am 1. November eine Delegation der Nomaden zum Verwaltungsbüro der Ortschaft Domda ging und um die Rückgabe bat, wurde ihnen mitgeteilt, dass dieses nur gegen eine sehr hohe Geldbusse möglich sei. Diese konnten sie aber nicht bezahlen.

Im letzten Jahr war bereits eine Gruppe von 200 Nomaden aus Domda umgesiedelt worden. Ihre Lebensbedingungen werden aber als „extrem schlecht“ beschrieben. Die Häuser stünden in einer abgelegenen Region, die nur sehr schlecht erreichbar sei. Viele von ihnen hätten ihre Häuser bereits wieder zu einem geringen Preis verkauft und wären weggezogen. Obwohl die Behörden Weiterbildungsmassnahmen versprochen hätten, damit die Nomaden neue Einkommensquellen finden, würden diese in der Realität nur selten angeboten. Viele Nomaden versuchen, ein Geschäft für billige Gebrauchsgegenstände zu eröffnen, oder sie finden ab und zu schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs im Strassen- oder Häuserbau.

Nonnen aus Kloster weggewiesen

Im Kloster Jada im Bezirk Driru sind kürzlich 26 Nonnen weggewiesen worden, weil sie neben den 140 offiziell erlaubten Nonnen nicht offiziell registriert waren. Das Nonnenkloster ist weit über die Region hinaus bekannt für die Ausbildung in tibetischer Philosophie und hat Nonnen aus allen Regionen Tibets angezogen.

Schon früher hatte es Kontrollen seitens der Behörden gegeben, um die Einhaltung der Höchstzahl zu kontrollieren; nicht registrierte Nonnen hätten sich dann jeweils in den umliegenden Hügeln verstecken können. Nachdem sich die Nonnen geweigert hatten, an einer offiziellen Kampagne gegen den Dalai Lama teilzunehmen, seien die Kontrollen aggressiver durchgeführt worden. Die jetzt weggewiesenen Nonnen wüssten oftmals nicht, wohin sie sich nun wenden können.

Driru gilt bei den Behörden als „Unruheregion“, nachdem es immer wieder Proteste gegen erzwungene Loyalitätsbekenntnisse gegeben hatte.

Pläne zum Ausbau des Bahnnetzes in Tibet beunruhigen Indien

Nach der Eröffnung des Bahnabschnittes zwischen Lhasa und Shigatse im August hat die chinesische Regierung weitere Ausbaupläne für das Bahnnetz in Tibet bekanntgegeben. Für Besorgnis in Indien sorgt vor allem eine lange transversale Achse, die von Sichuan im Osten stets unmittelbar entlang der Grenze zu Indien bzw. Nepal und Bhutan bis zur westlichen Provinz Himachal Pradesh führen soll. Die Bahnlinie berührt Regionen, in denen der Grenzverlauf zwischen China und Indien umstritten ist.

Abgesehen von Sicherheitsbedenken Indiens werden von Kritikern auch Umweltrisiken angeführt. Die transversale Achse erlaubt nicht nur effiziente Truppentransporte und den beschleunigten Abbau von Bodenschätzen, sondern wird nochmals den Zustrom von Siedlern beschleunigen. Da die Linie durch Regionen mit einem labilen Ökosystem führt, werden zusammen mit der globalen Erwärmung erhebliche Umweltschäden befürchtet. Schon kurz nach Eröffnung der Bahnlinie nach Lhasa vor acht Jahren hatten chinesische Medien über Risse im Fundament der Geleise berichtet, die durch den auftauenden Permafrostboden verursacht sind. Auch die neue Linie führt grösstenteils durch infolge der globalen Erwärmung gefährdete Permafrostregionen.

Die ehrgeizigen Ausbaupläne des Bahnnetzes wurden vom damaligen Minister für Eisenbahnen und seinem Stellvertreter entworfen. Beide wurden inzwischen wegen Korruption zum Tode verurteilt; das Todesurteil wurde später in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt.

Quellen: International Campaign for Tibet ICT; Radio Free Asia RFA

Zusammengestellt und redigiert für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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