Allgemein

Tibet-Information der GSTF vom 24. Juli 2015

Nach dem Tod von Tenzin Delek: Verwandte in Haft, Urne konfisziert

Nach seinem Tod in Haft am 12. Juli hatten Angehörige von Tenzin Delek Rinpoche – wie auch zahlreiche NGOs im Ausland – eine unabhängige Untersuchung der Umstände seines Todes in Haft verlangt. Zwei Schwestern waren kurz zu seinem Sterbebett vorgelassen worden, wo er noch in Anstaltskleidung in seiner Zelle lag. Verfärbungen an Fingern und Lippen hatten Gerüchte um eine Vergiftung aufkommen lassen. Eine Todesbescheinigung mit Angabe der Todesursache wurde bisher nicht ausgestellt. Nach Abgabe der Petition für eine Untersuchung wurden eine Schwester und ihre Tochter am 22. Juli in Haft genommen. Näheres über ihren Verbleib oder die Vorwürfe gegen sie sind nicht bekannt.

Tenzin Delek Rinpoche wurde noch im Hochsicherheitsgefängnis kremiert. Angehörige und Freunde wollten die Asche in sein Heimatkloster bringen, aber die Urne wurde vor Beginn der Bestattungszeremonie von der Polizei konfisziert. Nach Angaben eines Verwandten in Indien drangen Polizisten nachts in die Unterkunft ein, in der die Gruppe auf halbem Wege zum Heimatkloster übernachtete und nahmen die Urne mit. Sie drohten sogar, die Überreste in den benachbarten Fluss zu werfen.

Phayul, 22. Juli 2015

Weiterer Todesfall in Haft

Am 19. Juli starb in einem Spital in Lhasa der 64-jährige Lobsang Yeshi ebenfalls aus unklarer Ursache. Lobsang Yeshi, Vater von 8 Kindern und einziger Ernährer der Familie, war vor 14 Monaten festgenommen worden, als er eine unabhängige Untersuchung zum Tod von zwei Tibetern gefordert hatte. Die zwei Tibeter hatten nahe der osttibetischen Stadt Chamdo gegen Minenarbeiten protestiert und waren dabei zu Tode gekommen. Einer der beiden soll sich selbst Stichverletzungen beigebracht haben, der andere sprang von einem Gebüude in den Tod, nachdem er sich ebenfalls mit einem Messer Stiche beigebracht hatte.

Lobsang Yeshi war vor seiner Verhaftung am 2. Mai 2014 Dorfvorsteher und setzte die Proteste gegen die Weigerung einer Untersuchung über den Tod der beiden noch tagelang gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern fort, selbst als die Behörden ihm mit Strafen drohten. Nach seiner Verhaftung dauerte es ein Jahr, bis er zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Wenige Tage vor seinem Tod wurde er wegen unklarer Bauchbeschwerden und Schwindel in ein Spital in Lhasa eingeliefert, wo er starb. Nach Angaben von Informanten von Phayul sei er in Haft regelmässig misshandelt worden und habe über Schwindelanfälle geklagt.

In einer Parallele zu Tenzin Delek verweigerten auch hier die Behörden die Herausgabe des Leichnams und kremierten ihn am 21. Juli. Nur auf intensives Drängen seiner Angehörigen wurde schliesslich einem Mönch gestattet, vor der Kremation die Totenrituale durchzuführen. Zwei Angehörige durften der Kremation beiwohnen.

Quellen: Phayul, 23. Juli 2015; Radio Free Asia, 24. Juli 2015

Zusammengestellt und redigiert für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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