Allgemein

Tibet-Information der GSTF vom 25. Januar 2016

25. Januar 2016

 

Hotel verbietet tibetische Sprache, nimmt Entscheid zurück – und entschuldigt sich

Das Hotel Shangyul [der Hotelname wird in anderen Quellen mit Shang Yon angegeben; UM] in der Präfektur Malho musste nach stürmischen Protesten einen Entscheid zurücknehmen, seinen Angestellten während der Arbeit den Gebrauch der tibetischen Sprache zu verbieten. Erst im Dezember letzten Jahres hatte das Hotel in chinesischer Eigentümerschaft den Betrieb aufgenommen und erliess für die Angestellten verbindliche Verhaltensregeln bei der Arbeit. Eine der insgesamt fünf Regeln verbot den Gebrauch der tibetischen Sprache während der Arbeit und machte die chinesische Sprache für alle Angestellten verbindlich. Verstösse gegen die Regeln würden mit Yuan 500 geahndet und könnten zur Entlassung führen, hiess es in einem am 7. Januar ausgestellten Leitfaden.

Nach zahlreichen Protesten in sozialen Netzwerken wurde das Hotel von der lokalen Behörde für einige Tage geschlossen. Die Regel wurde in ungewöhnlicher Offenheit im populären Netzwerk WeChat sogar von Han-Chinesen heftig kritisiert. Nur vier Tage später revidierte das chinesische Hotelmanagement die Regel wieder und erliess sogar detaillierte Vorgaben, wie tibetische und chinesische Sprache gleichberechtigt zu gebrauchen seien. Demnach müssen alle Notizen, Dokumente und Stempel des Hotels in gleicher Schriftgrösse zweisprachig abgefasst sein, wobei zuerst die tibetische und erst danach die chinesische Sprache erscheint.

Das Hotelmanagement entschuldigte sich sogar schriftlich und teilte mit, es habe die „Gefühle der tibetischen Landsleute tief verletzt“ und würde eine „tiefgreifende, gründliche und vollständige Berichtigung“ der Verhaltensregeln vornehmen.

Phayul, 8. und 12. Januar 2016

Radio Free Asia, 8. Januar 2016

 

Tibetischer Sprachunterricht im Untergrund

Im Gegensatz zur Rücknahme des Verbotes der tibetischen Sprache im Bezirk Malho sehen sich freiwillige Vereinigungen im Bezirk Pema in der Präfektur Golog, die Unterricht in tibetischer Sprache anbieten, immer stärkeren Repressionen ausgesetzt. Viele Initiativen sind dazu gezwungen, den Unterricht im Geheimen zu geben. Seit sieben Jahren bietet eine freiwillige Initiative, die sich den Namen „Save the Language Association“ gab, Intensivkurse in tibetischer Sprache an. Diese Kurse werden während der Winterferien der staatlichen Schulen abgehalten.

Wie Informanten gegenüber Radio Free Asia angaben, sind viele dieser Kurse auf intensiven Druck der Polizei gestrichen worden. Aus Angst vor Verhaftung halten manche Gruppen den Unterricht nur noch im Geheimen ab. Bekanntmachungen der Behörden hatten diese Initiativen als „illegal“ bezeichnet und mit Verhaftung gedroht.

Die Forderung nach Repektierung der tibetischen Sprache ist ein wichtiges Element lokaler Initiativen, um die tibetische Kultur und Identität zu bewahren. Vor 2 Jahren schlossen die Behörden bereits eine Schule, in der Nomadenkinder Sprachunterricht bekamen, und eine Schule für tibetische Mönche im nordtibetischen Bezirk Golog. Im gleichen Monat verboten die Behörden einen tibetischen Sprachwettbewerb in Sichuan, der anlässlich des UNESCO-Tages der Muttersprache abgehalten werden sollte. Das Verbot von Sprachunterricht reiht sich in eine Reihe weiterer repressiver Massnahmen in Golog ein. Klöster benötigen beispielsweise eine behördliche Genehmigung für jede grössere Gebetsversammlung oder öffentlich zugängliche religiöse Handlungen.

Radio Free Asia, 20. Januar 2016

 

Polizei-Razzien in Geschäften und Internetcafes

Im Bezirk Dzoege im Osten Tibets hat die Polizei im Dezember gross angelegte Razzien vorgenommen, die offensichtlich Tibeter einschüchtern sollen. Laut staatlichem Fernsehsender dienten die Razzien dazu, „die soziale Stabilität zu untersuchen und Zwischenfälle zu verhindern“. Im Bezirk wurden „jede Strasse, Teestube, und jedes Hotel, Restaurant, Vergnügungszentrum, und Internetcafe“ hinsichtlich „sozialer Stabilität“ untersucht und kategorisiert. Im Einsatz seien 45 Fahrzeuge gewesen, und es seien 70 Personen untersucht worden.

Ein jetzt ins Ausland gelangtes Video (https://www.youtube.com/watch?v=6XiAL0EShzA&feature=youtu.be) zeigt maskierte Polizisten mit Kameras und Schlagstöcken, wie sie in einem Internetcafe Kontrollen durchführen. Die Anwesenden mussten sich ausweisen und wurden angewiesen, ihre Kopfhörer abzunehmen. Laut staatlichem Fernsehen wurden Geschäfte, in denen unerlaubte Aktivitäten entdeckt wurden, sofort geschlossen und die Inhaber zur „Korrektur und Besserung“ verurteilt.

 

International Campaign for Tibet, 21. Januar 2016

 

Zusammengestellt und redigiert für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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