Allgemein Schweiz

Berner lavieren bei Dalai-Lama-Besuch

Der Bund, 29.7.16 –

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) wird den Dalai Lama «voraussichtlich» bei einer Zeremonie im Haus der Religionen treffen.

Zweimal konnte der Dalai Lama einer Einladung des Berner Gemeinderates nicht Folge leisten. Dieses Jahr hätte es vermutlich geklappt, wenn das geistige Oberhaupt der Tibeter Mitte Oktober in Bern weilen wird. Aber heuer hat der Dalai Lama keine Einladung aus dem Erlacherhof mehr erhalten.

«Stadtpräsident Alexander Tschäppät wird den Dalai Lama nicht offiziell empfangen», sagt Regula Buchmüller, Leiterin der Abteilung Aussenbeziehungen und Statistik. Der Dalai Lama weile auf Einladung des Vereins Haus der Religionen in der Bundesstadt. Anlässlich eines Anlasses im religiösen Zentrum am Europaplatz werde es voraussichtlich auch zu einem Treffen mit Tschäppät kommen.

Über den Charakter des Anlasses könne zurzeit nichts gesagt werden, da die Detailplanung des Besuches eben erst begonnen habe, sagt Buchmüller. Daher sei zum jetzigen Zeitpunkt auch noch unklar, ob Tschäppät ein Grusswort sprechen werde, sagt sie. Tschäppät selber war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auch beim Verein Haus der Religionen herrscht Sommerpause.

Treffen mit Nationalräten geplant

Besuche des geistigen Oberhauptes der Tibeter sind hierzulande eine heikle Angelegenheit, weil mit Protesten Chinas gerechnet werden muss. Aus dem Bundesrat hatte zuletzt Pascal Couchepin (FDP) vor elf Jahren den Mut zu einem Treffen am Rande einer Veranstaltung. Beim letzten Besuch in Bern vor drei Jahren kam es immerhin noch zu einer Begegnung mit der damaligen Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne).

Nächsten Oktober wird nurmehr die parlamentarische Gruppe Tibet am Rande einer Zeremonie im Zürcher Hallenstadion dem Dalai Lama die Aufwartung machen, sagt Nationalrätin Graf, die auch Vizepräsidentin der Tibet-Gruppe ist. Von einer Einladung ins Bundeshaus habe sie keine Kenntnis. «Der Druck von chinesischer Seite nimmt zu. Der Bundesrat nimmt mehr Rücksicht auf die chinesischen Befindlichkeiten als auch schon», sagt Graf.

Zürcher sind mutiger als Berner

Für den Dalai-Lama-Besuch vom 12. bis zum 15. Oktober gebe es noch kein offizielles Programm – ausser den religiösen Belehrungen vom 14. Oktober im Zürcher Hallenstadion, sagt Thomas Büchli, Präsident der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF). Seitens des Tibet-Büros in Genf habe es keine offiziellen Besuchsanfragen gegeben, da dies die üblichen Druckversuche der chinesischen Regierung provozieren würde. «Es ist nicht die Politik der tibetischen Exilregierung, die Politiker anderer Länder unter Druck zu setzen», sagt Büchli.

Allfällige Einladungen an den Dalai Lama durch Schweizer Stellen wisse man aber sehr wohl zu schätzen. Solche Einladungen gibt es zwar nicht. Aber in Zürich wird immerhin Regierungspräsident Mario Fehr (SP) den Dalai Lama in einer «interreligiösen Zeremonie» im Grossmünster willkommen heissen.

Er sei von der reformierten Kirchgemeinde eingeladen worden, bei der Zeremonie ein Grusswort zu sprechen, sagt Regierungspräsident Fehr. «Dieser Einladung werde ich sehr gerne nachkommen», sagt der einstige Nationalrat und Präsident der parlamentarischen Gruppe Tibet.

Wider den Geist des Reformators

Fehrs Grusswort als Politiker sei ihm wichtig, weil die «interreligiöse Zeremonie» im Grossmünster kurz vor den Feierlichkeiten zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation stattfinde, sagt Pfarrer Christoph Sigrist. Für Reformator Ulrich Zwingli (1484–1531) hätten Kirche, Glaube und Gesellschaft eine Einheit gebildet, sagt Sigrist.

Das Eidgenössische Departement des Äussern (EDA) ist heute diametral entgegengesetzter Ansicht als einst Zwingli. «Der Dalai Lama hat im Jahr 2011 deklariert, dass er nurmehr ein religiöser Führer sei und keine politischen Funktionen mehr habe», sagt Botschafter Johannes Matyassy, Chef der Abteilung Asien und Pazifik im EDA. Daher gebe es für den Besuch des Dalai Lama eine andere Ausgangslage, als dies bei früheren Besuchen der Fall gewesen sei. «Das EDA ist beim Besuch nicht involviert», sagt Matyassy.

Seit dem Freihandelsabkommen Schweiz-China seien die Behörden in Sachen Dalai Lama noch zurückhaltender geworden, sagt GSTF-Präsident Büchli. «Die Schweiz hat ihre Grundsätze verleugnet, indem sie nicht auf die Aufnahme der Menschenrechte ins Freihandelsabkommen beharrt hat.»

  1. Keren-or Hiltrud Graczik

    Das Volk der grossen Freiheit! das Volk das keinerlei Einmischung von aussen duldet.
    Das Volk der grossen Neutralität. Das Volk der Unabhängigkeit und Humanität.
    So schnell mit Vorurteilen wenn es um die EU geht und sooo blind wenn es um China geht!
    Doppelmoral? Geld? Angst? – Dummheit treffen besonders zu. Man stell sich nur mal vor wie weit man geht – China verbietet und droht und schon kuscht die Schweizer Regierung. Wie ist das mit Tibetischen Flüchtlingen die man sogar in die Chinesische Botschaft schickt? WIE SOLL MAN DAS NENNEN WIE WEIT WILL DIE UNTERWERFUNG IN DER SCHWEIZ DER SCHWEIZER REGIERUNG NOCH GEHEN?

  2. Charlotte Woerner

    Hofft man dass der Herr Stadtpraesident ein wenig ueber seinen eigenen Schatten springen kann und auch ueber den der vielen Kotau die den Herren aus China von denen, die den helvetischen Staat repraesentieren sollten, entgegengebracht und vor die Fuesse gelegt werden. Das Kloster Rikon repraesentiert eine Zeit wo viele Helvetier sich solidarisch mit Menschen fuehlten, die aus einer Region stammen wo ebenfalls die Berge und Hoehenklima das Leben bestimmen – es wurde mit Erfolg versucht diesen von einem ruden chinesischen Regime Verfolgten eine neue Heimat zu schaffen. Leute, wie die Familie Kuhn aus Rikon leisteten dabei grossartigen Einsatz und ebenso haben die gefluechteten Tibeter versucht sich zu integrieren. HH Dalai Lama hat mit grossem Effort dazu beigetragen dass dies auch wirklich gut gelungen ist. Viel Unterstuetzung gab es damals auch von Einzelnen aus dem Parlament und aus der Zuercher Regierung. Der mainstream von heutzutage scheint einer einzigartigen Angst zu unterliegen man koennte den grossen Bruder in Fernost am Rever kratzen und dabei seiner Gunst verlustig gehen. Eine ganze Generation hier scheint diesem Virus verfallen.

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