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Chinas tibetische NVK-Delegation besucht die Schweiz – Stellungnahme von TGSL und GSTF zum Besuch

Bern – Chinas tibetische Delegation des Nationalen Volkskongresses (NVK) hat unter der Leitung des stellvertretenden Direktors des Nationalitätskomitees vom NVK, Padma Tsinle/Choling (im Bild), von Dienstag bis Freitag die Schweiz besucht.

Die Delegation diskutierte mit dem schweizerischen Bundesparlament, Beamten und einigen Tibetern in der Schweiz über verschiedene Themen.

Padma Tsinle sagte bei einem Gespräch mit dem schweizerischen Parlamentspräsidenten Jürg Stahl, China wolle durch den Besuch die Kommunikation mit der Schweiz auf Parlamentsebene intensivieren und die Situation in Tibet in den Bereichen Kampf gegen Armut, Schutz der traditionellen Kultur und Umweltschutz vorstellen.

Stahl sagte, die Beziehungen zwischen China und der Schweiz hätten eine gute Entwicklungstendenz. Die Schweiz unterstütze die Ein-China-Politik. Der Besuch der Delegation sei für das Verständnis der realen Situation in Tibet von großer Bedeutung, so Stahl weiter.

Quelle: China Radio International
Von Dr. Uwe Meya

 

Die Stellungnahme der TGSL und der GSTF zu diesem Besuch, welcher zum Ziel hatte, ein geschöntes Bild der Realität im besetzten Tibet zu vermitteln.

 

DELEGATION AUS “CHINA’S TIBET” IN DER SCHWEIZ VERMITTELT
REGIERUNGSOFFIZIELLE PROPAGANDA.
Im Rahmen ihrer Europa-Reise befindet sich eine Delegation von tibetischen Mitgliedern des kommunistisch dominierten Nationalen Volkskongresses der Volksrepublik China derzeit in der Schweiz. Ziel und Absicht dieses Besuches ist es einzig, ein geschöntes Bild der Realität im besetzten Tibet zu vermitteln und der völkerrechtswidrigen Annexion von Tibet etwas Legitimität zu verleihen.

Angeführt wird die Delegation von Padma Choling, der als ehemaliger Gouverneur von Tibet die repressive Politik der chinesischen Regierung mit Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Religion, Verunglimpfung des Dalai Lama, willkürlichen Verhaftungen, Misshandlung von Gefangenen und sogenannter „patriotischer Umerziehung“ bedingungslos durchsetzte.

Angeblich will die Delegation ihre Gesprächspartner über „soziale und wirtschaftliche Entwicklung“ in Tibet informieren. Während es zweifellos bedeutende Entwicklungen in Wirtschaft und Infrastruktur gibt, kommen diese fast ausschliesslich chinesischen Investoren und Zuwanderern zugute, die in grosser Zahl nach Tibet strömen und die Tibeter marginalisieren. Proteste von Tibetern gegen den Abbau von Bodenschätzen, der weder
auf Umwelt noch auf lokale Traditionen Rücksicht nimmt, werden gewaltsam niedergeschlagen, und die Bodenschätze verlassen Tibet in das resourcenhungrige chinesische Festland. Die zahlreichen neuen Staudämme erzeugen ebenfalls überwiegend Strom für die Industrie in China; abgesehen von ökologischen Folgen wird der Staudammbau auch wegen seiner Verwendung als potenzielles Druckmittel gegen die asiatischen Anrainerstaaten mit Besorgnis betrachtet.

Weiter will die Delegation über das „kulturelle Erbe“ Tibets infomieren. Wie dieses Erbe gerade rücksichtlos zerstört wird, ist am Beispiel der buddhistischen Akademie Larung Gar im Osten Tibets zu sehen. Auf Veranlassung der chinesischen Führung muss mindestens die Hälfte der insgesamt 10‘000 Lernenden Larung Gar verlassen, gleichgültig ob sie woanders eine Bleibe finden oder nicht. Ihre Behausungen wurden zerstört. Viele der Ausgewiesenen werden dazu gezwungen, erniedrigende Massnahmen zur „patriotischen Umerziehung“ über sich ergehen zu lassen.
Sicher wird die Delegation kein Wort über den Mittleren Weg verlieren, den der Dalai Lama vor vielen Jahren proklamiert hat. Er beinhaltet den Verzicht auf die Unabhängigkeit Tibets, anerkennt die Oberhoheit Chinas, verlangt aber genuine Autonomie innerhalb der Regionen mit tibetischer Bevölkerung. Trotz aller Verunglimpfungen gegen ihn und noch verschärfter Unterdrückung in Tibet hält der Dalai Lama daran sowie am Prinzip der Gewaltlosigkeit fest.

Noch kürzlich, am 10. März, dem Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes gegen die Besetzung, hat die Parlamentarische Gruppe Tibet in der Schweiz ihre Solidarität mit einer Flaggenaktion bekräftigt. Derzeit halten sich Mitglieder der Gruppe zu einem Informationsbesuch in Dharamasala auf. Hier erfahren sie in zahlreichen Begegnungen, wie die Tibeter im Exil eine freie und demokratische Gesellschaftsordnung aufbauen konnten.

Tenzin Nyingbu, Präsident TGSL
Thomas Büchli, Präsident GSTF

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