Focus Tibet

Tibeterin ertränkt sich aus Protest, ein weiterer schlitzt sich die Kehle auf

Bildlegende: Sicherheitskräfte vor dem Jokhang-Tempel (RFA)

 

Im Protest gegen den Abriss gegen den Abriss von Häusern und die Einebnung eines Friedhofs in ihrem Heimatdorf hat sich eine Tibeterin im Fluss ertränkt. Die 45-jährige Tibeterin Yudron warf sich in einen Fluss und kam ums Leben.

Am 16. Juni begannen Bauarbeiter im Bezirk Palyul damit, ohne offizielle Genehmigung Häuser abzureissen. Einen Protestzug der Einwohner gab es, als sich die Bauarbeiter auch daran machten, eine seit etwa tausend Jahren existierende Begräbnisstätte einzuebnen. Dabei machten die Arbeiten auch nicht Halt vor erst kürzlich errichteten Gräbern. Die Abrissarbeiten sollen angeblich Platz schaffen für nicht näher spezifizierte «Regierungsprojekte». Dem lokalen Sekretär der Kommunistischen Partei werfen die Tibeter darüber hinaus Nepotismus vor; er habe etlichen Familienmitgliedern lukrative Regierungsstellen verschafft haben, ohne lokale Bewerber zu berücksichtigen.

Palyul liegt in der chinesischen Provinz Sichuan (Karte: RFA)

 

Ebenfalls eine Protestaktion, die in mutmasslichem Selbstmord mündete, ereignete sich am 23. Juni vor dem Johkhang-Tempel, dem heiligsten Ort in Lhasa. Ein Tibeter rief Parolen für die Freiheit Tibets, bevor er sich die Kehle aufschlitzte. Es ist unbekannt, ob der die Tat überlebte.

Sicherheitskräfte errichteten rasch einen Sichtschutz aus blauer Plane, wie Fotos zeigen, die Radio Free Asia übermittelt wurden. Der Protestakt ereignete sich um 10 Uhr morgens. Am Nachmittag waren alle Spuren beseitigt, und laut Augenzeugen nahm das Leben um den Jokhang wieder seinen normalen Gang.

 

Radio Free Asia, 23. Juni 2017, Dr. Uwe Meya

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