Focus Tibet

Larung Gar im Griff der Kommunistischen Partei // Von einer Nonne hinterlassene Notiz bestätigt, dass sie sich das Leben nahm

Die Kommunistische Partei dürfte nun die enge Kontrolle der buddhistischen Akademie Larung Gar übernehmen. Nach Beendigung der Abrisse von Behausungen und Wegweisung von Studierenden wurde nun ein Leitungsgremium ernannt, das aus Mitgliedern der Kommunistischen Partei und Regierungskadern besteht. In einem Dokument der Behörden der Präfektur Kardze vom 20. August werden 5 Tibeter und eine Tibeterin, alle Parteimitglieder, nominiert. Drei von ihnen sollen die Akademie Ngarig Nangten Lobling in Larung Gar leiten, die anderen drei das sogenannte Managementkomitee.

Diese Komitees wurden im Jahr 2011 in insgesamt 1‘787 Klöstern in der sogenannten Autonomen Region Tibet eingeführt und lösten die bisherigen Leitungsgremien ab. Diese wurden lokal von den Klosterangehörigen gewählt und konnten zumindest in Grenzen autonom operieren. Die Mitglieder der neuen Managementkomitees werden hingegen von Partei und Regierung ernannt. Ihre Aufgabe ist es, für „harmonische Klöster“ und „gesetzestreue Mönche und Nonnen“ zu sorgen, sprich, dass sich die Klöster konform zur Partei- und Regierungslinie verhalten. Im Jahr 2014 wurde angekündigt, diese Institution auch in den Klöstern ausserhalb der Autonomen Region einzuführen.

Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD, 23. August 2017; Von Dr. Uwe Meya

 

Abrissarbeiten in Larung Gar: Von einer Nonne hinterlassene Notiz bestätigt, dass sie sich das Leben nahm

Die kurze Notiz, die die tibetische Nonne Tsering Dolma aus Protest gegen die Abrissmassnahmen in der Larung Gar Lehranstalt, dem grössten tibetisch-buddhistischen Zentrum weltweit, hinterliess, zeugt von ihrer Fassungslosigkeit über die repressive und diskriminierende Politik der chinesischen Regierung.

2016 begingen Berichten zufolge drei Nonnen Selbstmord, als das tibetisch-buddhistische Institut von dem totalitären kommunistischen Regime Chinas immer mehr zerstört wurde. Doch erst jetzt tauchte die von einer von ihnen kurz vor ihrem Tod geschriebene Notiz auf.Tsering Dolma erhängte sich am 19. Juli 2016 in ihrer Unterkunft in dem Pema Khando Nonnen-Wohnbereich von Larung Gar. Wie zuvor vom TCHRD berichtet, beging sie zusammen mit einer anderen Nonne, die sich am selben Tag erhängte, Selbstmord. Am 20. Juli begannen die Abbrucharbeiten, und sie gingen bis Mai 2017 weiter.

In Ihrer Abschiedsbotschaft schrieb Tsering Dolma: „Mein Herz ist so traurig. Der Grund dafür ist, dass die chinesische Regierung uns nicht die Freiheit gewährt, unsere Religion auszuüben. Sogar diese winzigen Wohnhütten werden nun zerstört. Es ist besser zu sterben“.Der ehemalige politische Gefangene Shel Gedun Tsering, der jetzt in Australien lebt, liess diese Notiz, die er aus Quellen in Tibet erhalten hatte, der in Indien ansässigen Zeitung Tibet Times zukommen.

Kurz nachdem die Nachricht über Dolmas Tod die Aussenwelt erreichte (1), erwähnten Quellen in Tibet das Vorhandensein einer Abschiedsnotiz. Infolge der extremen Restriktionen und der allgemeinen Überwachung in Larung Gar steht trotz anhaltender Bemühungen die Notiz erst jetzt zur Verfügung.

Der Selbstmord einer zweiten Nonne, Rigzin Dolma, am 20. Juli 2016 kam ebenfalls heraus, während der Tod einer dritten Nonne noch bestätigt werden muss (2). Und drei Tage davor, am 17. Juli 2016 überlebte eine weitere Nonne, deren Identität unbekannt bleibt, einen Selbstmordversuch.

Larung Gar im Bezirk Serthar, Osttibet, war jahrzehntelang das Herzland des tibetischen Buddhismus. Es beherbergt das weltweit grösste Lehrinstitut für tibetischen Buddhismus, nämlich die Buddhistische Akademie der fünf Lehren Larung Gar, an der Tausende von Mönchen, Nonnen und anderen Buddhisten studierten.

Im Juni 2016 beschlossen die chinesischen Behörden,  angeblich wegen „sanitärer Bedenken“, die Bewohnerzahl auf 5.000 Personen zu reduzieren. Daraufhin kam es zu den umfassenden Zerstörungen und Zwangsvertreibungen. Über 4.200 Bewohner wurden bereits ausgewiesen und mindestens 4.000 Behausungen abgerissen.

„Free Tibet“ erklärte, dass sie von Anfang an gegen die Abbruchmassnahmen gekämpft haben. „Die Zerstörungen riefen internationale Entrüstung und Kritik hervor, u.a. von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union“.

Zerstörung und Demolierung in Larung Gar gehen aber weiter. Mönche und Nonnen müssen hilflos zusehen, wie die chinesischen Abbruchbrigaden ihre Wohnhütten zerstören.

(1) 29. August 2016, Noch mehr Selbstmorde aus Protest gegen die Zerstörung von Larung Gar, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/RFA/2016/TseringDolma_29.8.16.html
(2) 10. August 2016, Buddhistische Nonne erhängt sich aus Protest gegen die Abrissmassnahmen in Larung Gar, http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2016/RigzinDolma_13.8.16.html

 

The Tibetpost International (TPI), www.thetibetpost.com, TCHRD.tchrd.org 18. August 2017     
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Oppenheimer

  1. Man sollte dieser Bericht Frau Leuthart unter die Nase reiben. Sie sollte ihren,
    wie sie ihn nennt, „guten Freund “ Xi Jnping damit konfrontieren!

    • Charlotte Woerner

      Frau Leuthart vertritt all die, die ohne Scham Geschaefte mit China machen, was immer dabei herausschaut – als ob China der Nabel der Welt ist. Der Kotau zum „guten Freund“ ist der grosse Tolggen in Frau Leutharts politischem Skript – sich zu diesen Herren zu distanzieren waere der Schweiz wirklich gut angetan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.