Focus Tibet

China besetzt Schlüsselpositionen in Larung Gar mit Parteikadern

Die chinesischen Behörden kündigten an, leitende Ämter in dem Tibetisch-Buddhistischen Institut Larung Gar im Bezirk Serthar in der TAP Kardze mit Mitgliedern der Chinesischen Kommunistischen Partei zu besetzen, um das Management und die täglichen Aktivitäten direkt kontrollieren zu können.

Seit Juli 2016 wurden Tausende von monastischen Behausungen abgerissen und Tausende von Mönchen und Nonnen aus der Lehranstalt vertrieben. Und im Mai dieses Jahr begannen die Behörden damit, auf breiten Landstreifen, die nach der Vertreibung der Bewohner eingeebnet und gesäubert wurden, Strassen und Attraktionen zum Nutzen von Touristen zu bauen.

Die Ernennung von Parteimitgliedern ist Teil der in einem Achtpunkte-Dokument enthaltenen Massnahmen, das letztes Jahr herausgegeben wurde und genaue Anweisungen zum Abbruch der Mönchsbehausungen und Reduzierung der Bewohner auf die verfügte Obergrenze von 5.000 Personen enthält. Unter Berufung auf die Beschlüsse des Sechsten Tibet-Arbeitsforums und der Zweiten Nationalen Arbeitskonferenz über Religion wurde im letzten Punkt des Dokuments die Schaffung eines aus Partei- und Regierungskadern bestehenden Monastery Management Committee (MMC) angekündigt, das das Institut fortan leiten soll. Darin wird auch die Einführung eines Sozialmanagements (chin. shèhuì gu?nl?/tib. chi tsog do dam) und die Verfügbarkeit von sozialen Diensten in der Anstalt gefordert. „Sozialmanagement“ meint hier, dass Partei- und Regierungsorgane besser in der Lage sind, sowohl Dienste anzubieten als auch Dissens zu beseitigen.

Am 20. August 2017 kündigten Mitarbeiter der Präfektur von Kardze die Einsetzung von sechs tibetischen Parteimitgliedern, fünf Männern und einer Frau, an. Drei der Ernannten werden von nun an die „Buddhistische Akademie Larung Gar der fünf Wissenszweige“ (Ngarig Nangten Lobling) verwalten, während die anderen drei dem Monastery Management Committee (chin. zhusi danwei/tib. gon do dam uyon lhen khang) von Larung Gar vorstehen werden.

Dakpa, derzeit stellv. Direktor des Public Security Bureau der Präfektur Kardze, wurde zum Präsidenten und Parteisekretär der Akademie ernannt. Dhondup Tashi, der stellv. Sekretär der Einheitsfrontabteilung des Bezirks Gyesur und Vorsitzende des Bezirksreferats für ethnische und religiöse Angelegenheiten, wurde zum Vizepräsidenten und stellv. Parteisekretär der Akademie ernannt. Lokhang Pun, der Referent der Präfektur für Tibet-Studien und Leiter der Bibliothek und des Übersetzungsdienstes der Präfektur, wurde zum zweiten Vizepräsidenten und stellv. Parteisekretär der Akademie ernannt.

Dargye Tashi Tsering, Sonam Choephel und Sonam Yangzom werden für das Monastery Management Committee von Larung Gar zuständig sein. Sonam Choephel, der seit September 2016 den Posten des stellv. Parteisekretärs des Bezirks Serthar innehat, wurde nun zum Parteisekretär des Monastery Management Committee und Direktor des Klosters ernannt. Dargye Tashi Tsering, der amtierende stellv. Parteisekretär für Politik und Recht des Bezirks Dabpa, wurde zum stellv. Parteisekretär und stellv. Direktor des Klosters ernannt. Sonam Yangzom, die einzige Frau unter den Designierten und die amtierende Parteisekretärin der Gemeinde Tsosum im Bezirk Lithang, wurde zur stellv. Parteisekretärin und stellv. Direktorin des Klosters ernannt.

Die Berufung von Parteimitgliedern auf leitende Posten in Larung Gar dient eindeutig der schärferen Kontrolle der monastischen Bevölkerung von Larung Gar. Wie bereits letztes Jahr angekündigt, haben die chinesischen Behörden die Belegschaft auf 5.000 Personen eingeschränkt: 2.000 Mönche in der Akademie und 3.000 Nonnen in dem Nonnenkomplex Pema Khando Duling. Anders als die Akademie wurde der Nonnenkomplex in Larung Gar als eine monastische Institution registriert, weshalb die Behörden jetzt ein Monastery Management Committee in dem Nonnenkloster einrichteten und ein Parteikomitee in der Akademie.

Die Einrichtung des Monastery Management Committee ist Teil der neuen, Ende 2011 eingeführten Bestimmungen zur Schaffung von politisch stabilen „harmonischen Klöstern“ und „gesetzestreuen Mönchen und Nonnen“. Anfang 2012 berichteten die chinesischen Medien, dass die Regierung seit November 2011 in 1.787 Klöstern der Autonomen Region Tibet (TAR) Monastery Management Committees eingerichtet habe. „Gemäss dem Motto der Schaffung von harmonischen Klöstern optimieren wir diese Komitees“, so wurde Norbu Dhondup, ein leitendes Mitglied des Büros für religiöse Angelegenheiten, das unter die Einheitsfrontabteilung der TAR fällt, in einem Bericht zitiert. 2014 wurde dieselbe Strategie der Einrichtung von Monastery Management Committees auch auf andere tibetische Gebiete ausserhalb der TAR ausgedehnt.

Diese Bildung von Monastery Management Committees setzte der geringen Autonomie, welche die einstmaligen Democratic Management Committees (DMC) genossen, ein Ende und leitete eine viel stärkere und umfassendere Repression der religiösen Institutionen in Tibet ein. Bisher war es das Democratic Management Committee, das sich um eine monastische Institution kümmerte und die Verwaltung betreffende Entscheidungen traf. Die Mitglieder der Democratic Management Committees wurden von der monastischen Belegschaft gewählt, woraufhin sie von den Behörden und Parteiorganen bestätigt wurden. Im Unterschied dazu ist das Monastery Management Committee ein nicht gewähltes Gremium, dessen Angehörige direkt von Partei und Regierung ernannt werden. Jedem Monastery Management Committee ist eine Parteizelle integriert.

Die Einrichtung eines Parteikomitees und eines Monastery Management Committee im Buddhistischen Lehrinstitut Larung Gar wird noch mehr die Autorität und den Einfluss des Ständigen Exekutivausschusses der Anstalt, der aus zehn hochgelehrten Äbten besteht, untergraben und aushöhlen. Der Ständige Exekutivausschuss arbeitete auf demokratischer Basis, und seine Mitglieder wurden alle drei Jahre von den Mönchen und Nonnen gewählt. Offenkundig werden die Mitglieder des Ständigen Exekutivausschusses jetzt Lust und Laune der Mitglieder der KPCh ausgesetzt und ausgeliefert sein.

 

Tibetisches Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD), www.tchrd.org 23. August 2017
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Oppenheimer

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