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Tausende evakuiert nach Blockade des Yarlung Tsangpo durch Erdrutsch

Einer der Hauptflüsse Tibets, der Yarlung Tsangpo, der Oberlauf des Brahmaputra, wurde von einem gewaltigen Bergrutsch blockiert, wodurch sich eine Art Stausee bildete. Dem örtlichen Amt für Katastrophenschutz zufolge droht die Gefahr, daß die Blockade brechen und in den stromabwärts gelegenen Regionen, einschließlich Arunachal Pradesh in Indien, Sturzfluten auslösen könnte.

Bei dem Erdrutsch am Mittwoch, 17. Oktober stürzte eine ganze Bergwand in der Nähe eines Dorfes im Kreis Menling in der Präfektur Nyingtri (Nyingchi), TAR, in den Fluß. Der Stausee schwoll am Donnerstag bis zu einer Tiefe von 40 m an.

Während bisher keine Todesopfer gemeldet wurden, sind bis zum 18. Oktober 7.100 Ortsansässige evakuiert und in höher gelegene Gegenden gebracht worden. Die chinesischen Behörden alarmierten die flußabwärts gelegenen Regionen, darunter auch Arunachal Pradesh, wo der Fluß sich sammelt und als Brahmaputra bekannt ist.

China und Indien unterzeichneten ein Abkommen über die gegenseitige Weitergabe von hydrologischen Daten für den Brahmaputra und den Sutlej, besonders in der Monsunzeit, wenn die Gefahr von Überschwemmungen groß ist. Der Sutlej, der auf Tibetisch Langchen Khabab heißt, und der Brahmaputra, der auf Tibetisch Yarlung Tsangpo heißt, entspringen beide im besetzten Tibet.

In vielen Ländern, auch in Indien heißt es, daß die militärische Konfrontation in Doklam 2017 China veranlaßt habe, die Daten über die Überschwemmungen durch den angeschwollenen Brahmaputra im Juli letzten Jahres zurückzuhalten. Von den Fluten waren 3 Mio. Menschen betroffen, 85 kamen ums Leben und 500.000 wurden obdachlos.

Verbesserte diplomatische Beziehungen belebten inzwischen wieder die Praxis der Weitergabe von Daten. China erteilte Indien bereits im August eine Warnung über einen Rekord-Anstieg der Wassermassen des Brahmaputra.

Dies ist schon der dritte Bergrutsch innerhalb von vierzehn Tagen, der schwere Zerstörungen in Tibet anrichtete. Letzte Woche kam es an den Ufern des Flusses Drichu im Kreis Jomda, Präfektur Chamdo, an zwei verschiedenen Stellen zu Erdrutschen, die alles absperrten und zu Stauungen des Flusses führten.

Am 19. Oktober kam es zu einem Durchbruch der aufgestauten Wassermassen. Der Wasserpegel war um 0,6 m pro Stunde gestiegen, fällt nun jedoch offensichtlich. Über 20.000 Menschen in den Kreisen Menling und Medog der Präfektur Nyingtri sind betroffen. In den flussabwärts gelegenen indischen Bundesstaaten Assam und Arunachal Pradesh könnte es jedoch zu Überschwemmungen kommen.

Ortsansässige sagen, daß Chinas zahlreiche Bergbau- und Staudammprojekte, sowie die massive Abholzung und der Raubbau an Tibets Waldbeständen für die Erdrutsche verantwortlich sind.

Quelle Text und Bild: Phayul, www.phayul.com, Tibetan Review, www.tibetanreview.net //
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Oppenheimer, 20. Oktober 2018

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