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Neue Eisenbahnlinie nach Tibet: «Sichuan Railway»

Ein Soldat bewacht die Eisenbahnlinie von Golmud nach Lhasa (Foto: Phayul)

Die staatliche Zeitung Global Times kündigte den Baubeginn für ein neues, ehrgeiziges Bahnprojekt an. Die «Sichuan-Tibet-Bahnlinie» wird als Ost-West-Verbindung über 1‘700 km die Provinzhauptstadt Chengdu mit Lhasa verbinden. Der Bau soll insgesamt umgerechnet etwa 36 Milliarden US-Dollar kosten und Zugfahrten mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ermöglichen. Die Linie, die die Fahrtzeit von Chengdu von 48 Stunden auf 13 Stunden verkürzen soll, wird 2026 fertiggestellt sein. Bisher war die lange Fahrt über die störungsanfällige Landstrasse nach Lhasa mühsam; diese war wegen Erdrutschen oder widrigen Wetterbedingungen mitunter bis zu 6 Monate im Jahr unbefahrbar.

Professor Sun Zhang, Eisenbahnexperte an der Tonji-Universität in Shanghai, sagte, diese neue Linie werde der tibetischen Wirtschaft «neues Leben einhauchen». Global Times erwähnte weiter, dass die Linie «die ethnische Solidarität fördern, die nationale Einheit gewährleisen und die Stabilität der Grenze sichern» würde. Skeptische Beobachter weisen darauf hin, dass auch die 2006 eröffnete Nord-Süd-Bahnlinie von Golmud nach Lhasa dafür gepriesen wurde, dass sie den Tibetern zu mehr Wohlstand verhelfen solle; stattdessen übertreffen die negativen Folgen mit Masseneinwanderung und wirtschaftlicher Marginalisierung der Tibeter eindeutig die geringen wirtschaftlichen Verbesserungen. Die Hinweise auf «nationale Einheit» und «Stabilität der Grenze» seien oft Euphemismen für mehr Repression gegen Tibeter und militärisches Drohgebaren gegenüber dem südlichen Nachbarn Indien.

Phayul, 12. Oktober 2018 // Übersetzung: Dr. Uwe Meya

Bild: Ein Soldat bewacht die Eisenbahnlinie von Golmud nach Lhasa (Foto: Phayul)

  1. Charlotte Woerner

    Der Drachen beisst sich in den Schwanz eines Tages – Umweltprobleme werden in tieferen Gegenden massive Auswirkungen zeigen wenn die Quellen der Fluesse und Seen vergiftet sind. Goldgraebertum ist ein vorgestriges Anmassertum was aus den Geschichtsbuechern als Aufklaerung dienen mag heutzutage – der Zug soll nun wohl die Kunde des Modernen und die Ausbeuter noch schneller zu denen bringen, die ueber Jahrtausende versucht haben ein Gleichgewicht zu pflegen.

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