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Zwangsumsiedlung von Dorfbewohnern für Industrieprojekte

Gonjo in der Präfektur Chamdo (Karte: Radio Free Asia)

Bewohner von insgesamt 9 Dörfern im Bezirk Gonjo im Osten Tibets sind von Zwangsumsiedlung betroffen, um für Bergbau- und Kraftwerksprojekte Platz zu machen. Die Zahl der Betroffenen ist unklar; insgesamt hat der Bezirk Gonjo nach einer Erhebung von 2010 etwa 40‘000 Einwohner. Die betroffenen Tibetern sollen weiter nach Osten, teilweise aber auch in die weit entfernte Region Lhasa umgesiedelt werden. Viele hätten schon begonnen, ihre Viehherden schlachten zu lassen.

In der Region wächst der Raupenkeulenpilz. Dieser parasitische Pilz mit dem wissenschaftlichen Namen Cordyceps siniensis ist wegen seiner angeblichen medizinischen Wirkungen begehrt und erzielt auf dem Mark sehr hohe Preise, derzeit umgerechnet mehrere zehntausend Franken pro Pfund, und ist für viele Tibeter eine wichtige Einkommensquelle. Als Konzession soll es den Umgesiedelten für die nächsten 20 Jahre erlaubt sein, zum Pilzsammeln in die Region zurück zu kehren.

Bereits vor 10 Jahren waren Tibeter aus dieser Region zwangsweise umgesiedelt worden. Vor drei Jahren wurde in Gonjo ein Protest der Bewohner mit einer unbekannten Zahl von Verhaftungen und Verletzten gewaltsam unterdrückt. Der Protest entzündete sich an Plänen, Minenarbeiten am heiligen Berg Mini zu beginnen. Danach wurden die Pläne zunächst auf Eis gelegt, jedoch wurde im April dieses Jahres laut einem lokalen Informanten der Bau einer Zufahrtsstrasse zum Berg Mini wieder aufgenommen.

Radio Free Asia, 1. Oktober 2018 // Übersetzung Dr. Uwe Meya

Bild: Gonjo in der Präfektur Chamdo (Karte: Radio Free Asia)

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