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Mönche im Kloster Sera erhalten Instruktionen über neue Restriktionen und Verhaltensregeln

Pressekonferenz in Sera (Foto: International Campaign for Tibet)

In einer Pressekonferenz am 13. März 2019 im Kloster Sera, einem der grössten Klöster in Tibet, wurden die Anwesenden über neue Restriktionen und Verhaltensregeln orientiert. Die mit grossem Aufwand inszenierte Pressekonferenz begann mit einem Aufruf an die Anwesenden, sich gegenüber der Kommunistischen Partei dankbar zu zeigen, die Religion in «patriotischer Weise» auszuüben, die «Einheit des Mutterlandes» zu wahren, und gegen «Separatismus standhaft» zu sein.

Über 320 Teilnehmer waren dabei versammelt: Unter anderem Mönche, das von der Regierung eingesetzte «Management-Komitee», Offiziere der lokalen Polizeistation, und die Feuerwehr. Geleitet wurde der Anlass vom Direktor des Management-Komitees, Lhakpa Tsering. Der Klosterabt, Tseten Dorje, orientierte über einen neuen Satz von Restriktionen für das Verhalten im Internet, die sogenannten «Zwanzig Verbote». Hier sind im Detail sämtliche Praktiken aufgelistet, die in den chinesischen sozialen Netzwerken wie Weibo und WeChat nicht erlaubt sind. Der Leiter der Abteilung für «Propaganda und Erziehung» im Kloster, Jampa Kalsang, präsentierte danach die Regeln für «Vier Standards» und «Vier Reden, vier Lieben». Mit diesen Regeln sollen sich die Mönche gemäss «politischer Verlässlichkeit», «Schaffen von Harmonie», «moralischer Integrität» und einer «aktiven Rolle» in «kritischen Zeiten» verhalten.

Eine volle Liste ist in englischer Übersetzung zu finden unter: https://www.freetibet.org/news-media/na/monks-sera-monastery-lectured-patriotism-and-separatism.

Die Pressekonferenz ist offenbar auf dem Hintergrund verstärkter Bemühungen zu sehen, die Klöster und verschiedenen Regionen in Tibet unter politische Kontrolle zu bekommen. Im Dezember 2018 berichteten Staatsmedien über Ehrungen von mehreren hundert Mönchen in Zentraltibet für ihre «Loyalität». Am 21. Februar bilanzierten die staatlichen Medien über eine «Erziehungskampagne», die über die vergangenen eineinhalb Jahre angeblich 80’000 Tibeter im Sinne der Prinzipien des 19. Kongresses der Kommunistischen Partei orientiert habe. Dazu seien 9’000 Seminare veranstaltet und 70’000 Druckwerke verteilt worden. Allein in der Präfektur Chamdo in Osttibet wurden laut Staatsmedien 1’142 «Arbeitsteams» in die Dörfer entsandt.

International Campaign for Tibet / Tibet Watch, 29. März 2019 / Dr. Uwe Meya

Auf dem Bild die Pressekonferenz in Sera (Foto: International Campaign for Tibet)

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