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Todesdrohungen gegen tibetischstämmige Studenten-Präsidentin

Chemi Lhamo (Foto: Radio Free Asia)

Im Februar machte die 23-jährige Chemi Lhamo in Kanada Schlagzeilen, als sie zur Präsidentin der Scarborough Campus Student Union an der Universität Toronto gewählt wurde. Wenige Tage, bevor ihre Wahl offiziell verkündet wurde, erschien eine von 11’156 Personen unterzeichnete Online-Stellungnahme, die forderte, dass sie nicht als Präsidentin ernannt werde. Chinesische Studenten und Studentinnen erklärten: «Wir fühlen uns zutiefst gekränkt und verletzt durch Lhamo’s respektlose Posts in Sozialen Medien und ihre Kampagne gegen internationale chinesische Studenten.» Ihre Haltung verstosse gegen «chinesische Geschichte, Gesetze, und Studentenrechte». Die Zahl der Petenten ähnelt auffällig der Zahl der eingeschriebenen chinesischen Studenten an der Universität Toronto, nämlich 11’544.

Was in den Tagen danach folgte, waren zahllose Hasskommentare an ihr Instagram-Account, auf dem sie auch Blogs über ihr Tibet-Engagement veröffentlicht Die Kommentare reichten von harmlosen Emojis mit Chinas Flagge bis hin zu offenen Todesdrohungen. «Du wirst erschossen, und die Kugeln kommen aus China.», sagte einer. Andere wünschten ihr, sie werde vergewaltigt. Ein anderer bemerkte: «Es gibt für immer nur ein einziges China, du dunkelhäutige Hure.»

Chemi Lhamo alarmierte die Universitätsleitung, die ihr als wenig effektive Massnahme ein Walkie-Talkie zur Verfügung stellte. Möglicherweise befasst sich auch der kanadische Geheimdienst, CSIS, mit der Angelegenheit. Charles Burton, ein ehemaliger Diplomat in China und Berater von CSIS, sieht die Kampagne als orchestrierte Aktion des kanadischen Ablegers von Chinas United Front an, die sich den Anliegen von Chinesen im Ausland annimmt. Er sagte, die grosse Zahl von Unterschriften unter die Petition innert kürzester Zeit und die Menge an Instagram-Kommentaren könnte kaum von einer nicht vernetzten Gruppe von Individuen stammen. Allerdings konnte oder wollte Burton nicht angeben, ob es sich um seine Meinung oder offizielle Erkenntnisse von CSIS handelt. Ein Universitätsprofessor, der anonym bleiben wollte, fügte hinzu, dass sich chinesische Studenten solchen konzertierten Aktionen nicht verweigern könnten, da ihnen ansonsten mit Strafaktionen gegen ihre Angehörigen in China gedroht werde.

Chemi Lhamo lässt sich von den Drohungen nicht beirren. Sie teilte mit, es sei wie «das Anzünden von Licht in einem dunklen Raum». Sie strebe nach Wissen, um solche Art von Ignoranz auszulöschen.

Hongkong Free Press, 31. März 2019 // Radio Free Asia, 2. Mai 2019 // von Dr. Uwe Meya

Auf dem Bild: Chemi Lhamo (Foto: Radio Free Asia)

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