Focus International

Konferenz der Tibet-Support-Gruppen in Dharamsala

Vom 3. bis 5. November fand im nordindischen Dharamsala die 8. internationale Konferenz der Tibet-Support-Gruppen statt. In einer Zeit grosser politischer Veränderungen in der Welt, genau wie bei der ersten Konferenz, die im März 1990 in Dharamsala stattfand, um sich den Chancen und Herausforderungen einer solchen Zeit des Wandels und der Wiederbelebung Tibets zu stellen.

Die Original-Fassung dieses Textes finden Sie am Ende der Seite.

Die Notwendigkeit der Bewegung ist gegeben und wird durch die Teilnahme von 180 Delegierten von tibetischen Unterstützungsgruppen und anderen Förderern aus 42 Ländern in allen Regionen der Welt, sowie durch ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen um die Freiheit Tibets und seines Volkes zu intensivieren, belegt.

Die Teilnehmenden trafen sich zu einer ausgedehnten Audienz mit S. H. dem Dalai Lama und waren sehr beeindruckt und ermutigt durch seine Erklärung seiner vier Verpflichtungen 

  • Förderung menschlicher Werte, 
  • Förderung der religiösen Harmonie; 
  • Erhaltung der tibetischen Sprache, Kultur und des buddhistischen Erbes der Nalanda-Tradition
  • sowie den Schutz der natürlichen Umwelt Tibets 

Die Wiederbelebung des alten indischen Wissens widerspiegelt seine altruistische Vision für die Zukunft. 

Die Teilnehmenden unterstützen seine Überzeugung voll und ganz, dass der zutiefst wichtige Beitrag des tibetischen Volks und der tibetischen Kultur zur menschlichen Entwicklung beitragen können und sind daher davon überzeugt, dass die Unterstützung für die tibetische Sache eine Unterstützung der Menschheit als Ganzes ist.

Vor der Konferenz sprach der Sikyong (Präsident) der tibetischen Exilregierung, die als Central Tibetan Administration (CTA) bezeichnet wird und der Sprecher des Tibetischen Parlaments im Exil. Die Konferenz hörte Sprecher aus Tibet, Hongkong und Ostturkestan, der Südmongolei und Taiwan sowie aus Indien, Südafrika, Grossbritannien, Australien und China und den USA, die alle ein Gefühl des Optimismus teilten und sich aktiv der Konferenz beteiligten. 

Wir, die Teilnehmenden der Konferenz, bringen unsere tiefe Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass, während die Situation im besetzten Tibet sich von schlecht zu schlechter entwickelt, es immer noch keine Anzeichen dafür gibt, dass die Regierung der Volksrepublik China (VR China) bereit wäre, Verhandlungen mit Vertretern Seiner Heiligkeit des Dalai Lama oder der CTA, aufzunehmen, um den Konflikt zu lösen, der durch die illegale Invasion Tibets vor fast 70 Jahren und durch die Besetzung des Landes und die Unterdrückung des tibetischen Volkes durch die VR China verursacht wird.

Wir fordern die chinesische Regierung auf, den Dialog, der stattgefunden hatte, wieder aufzunehmen auf der Grundlage des «Mittelwegs»“ und unverzüglich ernsthafte Verhandlungen zu führen und wir fordern die Vereinten Nationen und die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft auf, die chinesische Regierung davon zu überzeugen, dies zu tun. Gleichzeitig beglückwünschen wir S. H. den Dalai Lama und die Tibetische Exilregierung für ihr anhaltendes Engagement für Gewaltlosigkeit und das Streben nach einer für beide Seiten vorteilhaften Verhandlungslösung. Wir sind tief bewegt vom Mut des tibetischen Volkes und der Menschen in Tibet in ihrem gewaltfreien Widerstand gegen die chinesische Unterdrückung und in ihren Bemühungen, diese Unterdrückung zu beenden und ihre nationale Identität zu schützen.

Wir bedauern die von vielen Regierungen gezeigte Furcht, sich gegen die VR China zu behaupten, wenn es drum geht, Jahrzehnte seiner schweren und systematischen Verletzung der grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten in Tibet und in Ostturkestan (chin. Xinjiang) sowie in der Südmongolei (chin. Innere Mongolei) und angesichts anhaltender Proteste, auch in Hongkong, zu verurteilen. Anstatt sich auf die Seite von Wahrheit und Gerechtigkeit zu stellen, verraten diese Regierungen und eine Reihe von Akteuren unsere Grundwerte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Selbstbestimmung und Menschenrechten beim Streben nach rein kommerziellem Gewinn. Ebenso wenig stellen sie sich Angriffen der VR China auf genau diese Werte und Institutionen entgegen, die in unseren eigenen Ländern verkörpert sind. Wir sind entschlossen, einen solchen Verrat und Angriffe auf unsere Werte aufzudecken und werden mächtige Koalitionen und Allianzen schmieden, um dies zu tun.

Angesichts der entscheidenden Rolle des tibetischen Plateaus als «Dritter Pol» im globalen Klimawandel verpflichten wir uns, Tibet, das mit an der Spitze der Klimakrise steht, als dringende Frage unserer Zeit in die Debatte über dieses Thema einzubringen.

Im Bewusstsein des immensen Beitrags des tibetischen Buddhismus zum Verständnis des Geistes und des menschlichen Verhaltens, einschliesslich der Erzeugung von Liebe und Mitgefühl und anderer Eigenschaften, die essentiell für das menschliche Glück und damit für den Wert wissenschaftlicher Arbeiten wichtig sind. Angesichts des immensen Wissens, das darin enthalten ist, ist es unerlässlich, die tibetische Sprache und Kultur zu schützen, um so den Zugriff darauf zu ermöglichen.

Als Unterstützung des Beschlusses der 3. Sondersitzung der Tibeter in Dharamsala im Oktober bestehen wir darauf, dass für alle Entscheidungen über die Wiedergeburt des 14. Dalai Lama die ausschliessliche Verantwortung bei Seiner Heiligkeit des Dalai Lama und seines Gaden Phodrang Trust liegen. Irgendwelche Einmischung der Behörden der VR China in diesen Prozess und jeder Versuch der Auswahl oder Ernennung eines Dalai Lama durch die chinesische Regierung wird keine Legitimität haben und muss verurteilt und durch Sanktionen durch die internationale Gemeinschaft belegt werden.

Der Kampf für die Freiheit Tibets ist ein Kampf für Gerechtigkeit, Wahrheit und Freiheit. Wir engagieren uns, um die Arbeit fortzusetzen, bis der Konflikt zur Zufriedenheit des tibetischen Volkes gelöst ist. 

Solange das tibetische Volk unter fremder Besetzung, Unterwerfung und Ausbeutung bleibt und sich nicht in der Lage befindet, sein Recht auf Selbstbestimmung und den tibetischen Kampf für die Freiheit und Gerechtigkeit auszuüben, bleibt dies der Kampf aller für Freiheit und Gerechtigkeit und so rufen wir zu Solidarität mit dem tibetischen Volk auf und drücken auch unsere Solidarität mit allen aus, die unter der Unterdrückung und der repressiven Politik durch die VR China leiden, ja, für alle anderen Völker, die ihrer Freiheit beraubt sind, denn niemand kann wirklich ein freier Mensch sein, solange andere unterdrückt werden.

Dharamsala, 5. November 2019

Dies ist eine Übersetzung der originalen Deklaration in englischer Sprache.

Die Original-Fassung der Deklaration finden Sie hier als PDF-Download.

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