China Focus Tibet

Einschüchterungen zum Jahrestag des Volksaufstandes

Mit einer massiven Zurschaustellung von Militär, Bewaffneter Polizei und auch der Feuerwehr vor dem Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes am 10. März versucht die Regierung offensichtlich, jeglichen Protest in Tibet zu unterbinden. Obwohl die Strassen in Lhasa angesichts der Virus-Epidemie leer waren, hielten am 6. März «kampfbereite» Truppen (so die offizielle Verlautbarung) demonstrativ eine Militärübung ab. Offizielle Nachrichtenkanäle zeigten Bilder mit langen Konvois von gepanzerten und mit vermummten Soldaten besetzten Militärfahrzeugen sowie Polizeiautos, die durch die leeren Strassen fuhren. Einer dieser Konvois präsentierte sich direkt vor dem InterContinental. Dieses 5-Stern Hotel befindet sich unmittelbar neben dem Lager Gutsa, einem der berüchtigtsten Folterzentren in Tibet.

Bereits am 1. März hatten sich Kader der Kommunistischen Partei, Vertreter der Sicherheitsbehörden und weitere Regierungsvertreter versammelt, um, so die offizielle Meldung, die «reaktionären Aktivitäten» des Dalai Lama zu kritisieren. Vorher waren Regierungskader in niedrigeren Rängen ausdrücklich ermahnt worden, auf Bedrohungen von «Sicherheit und Stabilität» zu achten; bei Nachlässigkeit wurde ihnen mit disziplinarischen Massnahmen gedroht. Die Behörden hätten «die richtige Einstellung, gewaltsame terroristische Verbrechen zu bekämpfen». Das Nationale Sicherheitskommando in Lhasa berief am 9. März eine Videokonferenz ein, um, so laut staatlichen Medien, «die nächste Phase der Arbeit für Sicherheit» in der Region einzuleiten.

Ähnliche Verlautbarungen von Behörden waren auch aus anderen Regionen der «Autonomen Region Tibet» zu vernehmen. Ein Funktionär in Nagchu erklärte, sein Bezirk trete im März in eine für die Sicherheit «sensitive Phase» ein.

Die teilweise martialische Sprache und das wiederholte Erwähnen von «Bewahrung der Stabilität», ein oft verwendetes Schlüsselwort für repressive Massnahmen, weist nach Meinung von Beobachtern darauf hin, dass sich die chinesische Führung alles andere als sicher ist, die Lage in Tibet im Griff zu haben. Unmittelbar nach dem 10. März jährt sich auch der Beginn der Unruhen in Tibet, die sich am 14. März 2008 von Lhasa in die gesamte Region ausbreiteten.

Radio Free Asia, 9. März 2020 // Dr. Uwe Meya

Beitragstitelbild: Foto von Radio Free Asia

International Campaign for Tibet, 12. März 2020

Bilder der Militärübung auf https://savetibet.org/massive-show-of-military-force-close-to-tibetan-uprising-day/

Foto: International Campaign for Tibet

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