Focus Tibet

Vier ehemalige politische Häftlinge sterben nach Misshandlung in Haft

In den Monaten März bis April 2020 starben gleich vier ehemalige politische Häftlinge, die während ihrer Haft schwer misshandelt wurden. Es ist gängige Praxis der Behörden, politische Häftlinge nicht nur zu misshandeln, sondern ihnen auch medizinische Hilfe zu verweigern und sie in oft desolatem Gesundheitszustand zu entlassen. Allen Häftlingen ist diese Vorgeschichte gemeinsam; sie verbrachten eine längere oder kürze Zeit mit stark eingeschränkter Gesundheit nach ihrer Haftentlassung. Im Einzelnen handelt es sich um folgende ehemalige Häftlinge:

Der Mönch Tashi Phuntsok starb im März im Alter von 60 Jahren. Er war Schüler von Tulku Tenzin Delek Rinpoche, der im Jahre 2002 unter dubiosen Anschuldigungen verhaftet wurde, in versuchte Bombenattentate verwickelt zu sein. Tenzin Deleg wurde im Januar 2003 mit einem weiteren Tibeter zum Tode verurteilt. Sein Mitgefangener wurde hingerichtet, während die Vollstreckung gegen Tenzin Deleg nach internationalen Protesten aufgeschoben und die Strafe später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Seitdem befindet er sich in einem Gefängnis in der chinesischen Provinz Sichuan. Tashi Phuntsok wurde 2002 unter der Anschuldigung verhaftet, Mitwisser dieser Bombenattentate zu sein. Er war bereits vor der Verhaftung schwer an Tuberkulose erkrankt. Sein Zustand verschlimmerte sich in der Haft, so dass er seine siebenjährige Haftstrafe nicht absitzen musste und 2003 vorzeitig entlassen wurde. Bis zu seinem Tod verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zunehmend.

Der Mönch Gendun Sherab starb im April an den Folgen von Misshandlungen in Haft. Er war im Jahr 2017 verhaftet worden, nachdem er auf der populären chinesischen Chatplattform WeChat eine Botschaft des Dalai Lama über die Anerkennung der Reinkarnation eines verstorbenen Würdenträgers verbreitet hatte. Auch er wurde wegen seines schlechten Gesundheitszustandes vorzeitig aus der Haft entlassen. Da er in Lhasa als ehemaliger politischer Gefangener keine medizinische Behandlung erhielt, kehrte er in sein Heimatdorf zurück und liess sich über die letzten 2 Jahre erfolglos mit traditioneller tibetischer Medizin behandeln.

Ebenfalls im April starb der Mönch Tsering Bhakdro im Alter von 51 Jahren. Er war 1992 verhaftet worden, nachdem er mit anderen Mönchen an einer Demonstration teilgenommen hatte. Die Mönche waren mit der verbotenen tibetischen Nationalflagge und Parolen rufend durch die Strassen gezogen. Während der Verhöre und seiner achtjährigen Haft wurde er wiederholt psychisch und physisch misshandelt. Die Jahre nach seiner Haftentlassung verbrachte er mit bleibenden Behinderungen infolge der erlittenen Verletzungen in seinem Haus in Lhasa.

Im Mai starb der Mönch Choekyi, der 2018 zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt, aber aufgrund seines Gesundheitszustandes schon 2019 vorzeitig aus der Haft entlassen worden war. Er wurde verhaftet, weil er ein T-Shirt mit einer Aufschrift trug, die den 80. Geburtstag des Dalai Lama feierte. Schon vor der Verhaftung litt er an einer Nierenkrankeit, die sich durch Misshandlungen und schwere körperliche Arbeit im Gefängnis verschlechterte. Es war nur engsten Familienangehörigen erlaubt, ihn aus dem Gefängnis abzuholen. Niemand ausser den Familienmitgliedern durfte über die Haftentlassung informiert werden, und die Familie wurde angewiesen, allfällige Menschenansammlungen nach seiner Rückkehr in das Heimatdorf zu unterbinden. Das Haus, in dem er seine letzten Monate verbrachte, befand sich unter ständiger Beobachtung durch Sicherheitskräfte, die alle Besucher fotografierten.

Choeky (Foto: Radio Free Asia)
Tashi Phuntsok (Foto: Radio Free Asia)

Tibetan Post International, 25. März, 30. April, 7. Mai, 11. Mai 2020 // Dr. Uwe Meya

Fotos: Beitragsbild: Tsering Bakhdro (Foto: Tibet Post International), Choeky (Foto: Radio Free Asia), Tashi Phuntsok (Foto: Radio Free Asia), Anmerkung: von Gendun Sherab gibt es kein Foto.

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