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«Ich fühlte mich wie ein Uigure im Umerziehungslager»

Ein chinesischer Staatskonzern zieht Technologie aus einer Schweizer Pionierfirma ab – und treibt sie in den Ruin.

Das chinesische Unternehmen steigt bei der Pionierin für den Bau von Protonentherapie-Anlagen ein. Zwei Jahre später schickt es das Schweizer KMU in den Konkurs.

Der 72-jährige Gründer der Firma Schaer Proton hat Tränen in den Augen, als er am 30. Juni vor die Mitarbeiter tritt. Hugo Schär unterrichtet sie davon, dass das KMU, das er 1979 aus der Taufe gehoben hat, pleite ist. Der Grund für den Konkurs? Eine chinesische Staatsfirma habe sein Lebenswerk willentlich gegen die Wand gefahren hat, so Schär. Er habe sich in den letzten Monaten gefühlt, «wie ein Uigure im Umerziehungslager».

2017 hat ein chinesischer Staatskonzern die Kontrolle über die Firma Schaer Proton übernommen. Nun musste sie Konkurs anmelden. Das Know-how bleibt in China.

China National Nuclear Corporation (CNNC) ist ein Koloss. Der chinesische Staatskonzern ist sowohl für die Nuklearwaffen des Landes zuständig als auch für die zivil genutzte Kerntechnologie.

Vor drei Jahren übernahm CNNC eine Aktienmehrheit an der Schweizer Firma Schaer Proton. Im Gegenzug verhalf sie dem Zürcher KMU zu einem Grossauftrag in China. Schaer Proton baut Protonentherapie-Anlagen, mit denen Krebstumore so gezielt bestrahlt werden können, dass das umliegende, gesunde Gewebe kaum zu Schaden kommt.

Schaer Proton ist klein, hat aber Technologiegeschichte geschrieben. Die Firma trug massgeblich dazu bei, dass am Paul-Scherrer-Institut der ETH eine Anlage gebaut werden konnte, mit welcher der erste Patient überhaupt mit einer Protonentherapie behandelt wurde.

Für Schaer Proton endet das Chinaabenteuer mit einem Fiasko. Am vergangenen Dienstag hat Firmengründer Hugo Schär Konkurs anmelden müssen.

Das KMU ist überschuldet, weil der Kunde – eine Tochterfirma des neuen Hauptaktionärs CNNC – Schaer Proton mit hohen Konventionalstrafen in den Ruin getrieben hat. In den Monaten vor dem Untergang liess CNNC bei Schaer Proton noch eine vertiefte technische Prüfung durchführen. In deren Rahmen seien detaillierte Informationen über den Anlagenbau an CNNC übergegangen, so Firmengründer Schär.

Der konkrete Einzelfall weist einige Ungereimtheiten auf. Er passt jedoch in ein grösseres Bild: China beschafft sich im Rahmen seiner Strategie «Made in China 2025» gezielt westliche Technologien – auch mit wenig orthodoxen Mitteln. Einer der Bereiche, in denen China erklärtermassen aufholen will, ist die Pharmabranche und die Medizintechnik.

Lesen Sie den vollständigen Bericht von Markus Städeli hier. Erschienen NNZ am Sonntag, 04.07.2020.

Beitragsbild: Fotos vom Originalbericht der NZZ

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  1. Das sind die absehbaren Folgen, wenn man die Schweiz ausverkauft. Dieses bedauernswerte Desaster sollte allen als Warnung dienen.
    Herrn Schär und seinen Mitarbeitern gehört mein Mitgefühl.

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