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Zunehmende Zahl an Mönchen und Nonnen wird zur «Umerziehung» gezwungen

Tibet Watch und Free Tibet Campaign konnten durch Recherchen zeigen, dass beginnend September dieses Jahrs mittels einer Kampagne eine immer grössere Zahl von Mönchen und Nonnen einer zwangsweisen Umerziehung unterworfen wird.

Startpunkt war ein Treffen von hohen Parteikadern, das Ende August in Beijing abgehalten und von Präsident Xi Jinping persönlich geleitet wurde. Es handelte sich um das «7. Zentrale Arbeitsforum für Tibet», das alle 5 Jahre stattfindet. Präsident Xi forderte, die Führung auf allen Ebenen der Kommunistischen Partei zu verstärken, um die Kontrolle über Tibet zu stärken, einschliesslich mehr «Sicherheit an den Grenzen». Ziel seien breite Erziehungsprogramme, um den «Sozialismus mit chinesischen Charakteristika» zu fördern, unter anderem mittels neu gestalteter Schulbücher und der Adaptation des Buddhismus, mit dem Ziel, dass das sozialistische System Priorität über die Religion erhalte.

Im September fanden die ersten Veranstaltungen in Klöstern in Zentraltibet statt, zunächst am 8. September in Nyima Ling in Nagchu, dann am 23. September in Larung Gar, das in den vergangenen Jahren von breit angelegten Wegweisungen und Abrissen betroffen war, und am 25. September vor 300 Mönchen in Tashi Lhunpo, dem traditionellen Sitz des Panchen Lama. In Larung Gar forderte ein Parteikader die Mönche dazu auf, die buddhistischen Belehrungen zu verstärken, so dass «die staatliche Religionspolitik, die Gesetze und Verordnungen die Herzen der Massen von religiösen Personen und Gläubigen erreichen.». In Tashi Lhunpo mussten die Mönche in Arbeitsgruppen die Beschlüsse des Arbeitsforum studieren. Ein Parteikader erklärte den Mönchen: «Wir müssen uns an die Direktiven zur Sinisierung der Religion unseres Landes halten und religiöse Angelegenheiten im Einklang mit dem Gesetz behandeln.»

Am 12. Oktober schliesslich erreichte die Kampagne mehrere Klöster in der Region Dzoge in Osttibet, wo Mönche und Nonnen einen «Ausbildungstag» in «Verfassungsrecht und Gesetzen» absolvieren mussten. Hier war das Ziel, die Gesetze zur Religion, “nationalen Sicherheit und Stabilität» zu verinnerlichen, um «Patriotismus und Gehorsam» zu fördern.

Nach unbestätigten Berichten fanden in den Monaten September und Oktober noch in weiteren Regionen Tibets derartige Veranstaltungen statt.

Tibet Watch, 23. Oktober 2020, Free Tibet Campaign, 27. Oktober 2020 // Dr. Uwe Meya

Foto: screenshot Wechat

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