China Focus

Chinesische Internetfirmen verbannen Nachrichten in tibetischer und uigurischer Sprache

Zwei chinesische Internetfirmen blockieren Texte in tibetischer und uigurischer Sprache. Sie tun dieses offenbar aus eigenem Antrieb, ohne Anweisung der Behörden, um Ärger wegen unerwünschter Inhalte zu vermeiden.

Zunächst teilte Talkmate mit, dass Inhalte in diesen Sprachen «wegen Regierungsbestimmungen vorübergehend» blockiert seien, ohne ein Datum zu nennen, wann sie wieder zugelassen würden. Später wurde diese Rückmeldung entfernt, aber tibetische und uigurische Texte sind immer noch blockiert. Talkmate ist eine App zum Erlernen von Sprachen und gehört einer Privatfirma in Beijing. Sie bietet Kurse in nahezu 100 Fremdsprachen an. Inhalte in diesen anderen Sprachen, ausser tibetisch und uigurisch, werden nicht blockiert.

Kurz darauf verbannte auch der Streamingdienst Bilibili Kommentare in diesen beiden Sprachen. Als Rückmeldung erhielten Benutzer eine Fehlermeldung «Der Kommentar enthält sensitive Information». Kommentare in anderen Sprachen werden nicht zensiert. Offenbar blockierte Bilibili die uigurische Sprache schon seit Sommer 2020. Bilibili war bis vor wenigen Jahren ein Dienst, in denen sich einige Subkulturen austauschen konnten, aber der Dienst wurde zuletzt zunehmend nationalistischer und publizierte weniger von der Parteimeinung abweichende Meinungen.

Schon im Februar d.J. hatte ein ehemaliger Mitarbeiter von Bytedance, der Eigentümerin der populären Plattform TikTok, berichtet, er sei angewiesen worden, eine Methode zur Erkennung der uigurischen Sprache und deren Blockierung zu entwickeln. Der anonym bleibende Mitarbeiter im Technologieteam berichtete protocol.com, er sollte dieses für den Vorläufer von TikTok, Douyin, entwickeln, was jedoch mangels ausreichender Datenpunkte für die uigurische Sprache nicht gelungen sei. Davon unbenommen erhalten Nutzer von Douyin immer eine Mitteilung, sie sollten zu Mandarin wechseln, wenn sie Inhalte in «Minoritätensprachen» oder Dialekten teilen, die die hauptsächlich Mandarin-sprechenden Nutzer nicht verstehen. Wechseln sie nicht, würden sie von Douyin-Mitarbeitern vom Lifestream abgeschnitten. Offenbar zensiert Douyin die Nachrichten freiwillig, um sich nicht von staatlichen Zensoren den Vorwurf einzuhandeln, sie kontrollierten «separatistische oder terroristische» Inhalte nicht sorgfältig genug.

Bereits 2012 startete ein Pilotprogramm des Sicherheitsministeriums in der Provinz Xinjiang, wo bis 2015 insgesamt 70‘000 Stimmen erfasst wurden. Seit 2016 sind dort alle Bürger, die einen Pass beantragen, verpflichtet, eine Sprachprobe aufnehmen zu lassen. Dieses Projekt, das danach auf das gesamte Land ausgeweitet werden sollte, wurde an die Firma iFlytech vergeben. Diese Firma bewirbt ihr Produkt nicht nur als „automatisierte, intelligente Spracherkennungstechnologie“, sondern behauptet auch, dass diese inzwischen „Minoritätensprachen“ wie Uigur und Tibetisch erkennen kann. Das System habe schon einige Fälle von „Verbrechen“ in mehreren Provinzen lösen helfen. Es ist nicht bekannt, welche Fortschritte dieses Projekt bis heute gemacht hat.

Protocol.com. 8. November 2021 // Dr. Uwe Meya

Foto: Getty Images

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