Focus Tibet

Ein weiterer Schritt zur Elimination der tibetischen Sprache und Identität: tibetische Kinder werden in Internatssystem gezwungen

Ein Bericht des Tibet Action Institute zeigt, dass zahlreiche Kinder in Tibet in ein weit verzweigtes Internatssystem gezwungen werden, in dem sie von ihren Familien getrennt, vorwiegend in chinesischer Sprache unterrichtet werden und unter psychischen Problemen leiden. Der volle Bericht ist erhältlich bei https://tibetaction.net/campaigns/colonialboardingschools/ und enthält im Anhang auch ausführliche Erfahrungsberichte der Betroffenen.

Zusammengefasst, zeigt der Bericht Folgendes:

  • Etwa 800’000 tibetische Kinder im Alter von 6, in Einzelfällen ab 4 Jahren, und bis zum Alter von 18 Jahren leben in diesen Internaten. Das sind 78 % der tibetischen Schülerinnen und Schüler. Diese Rate ist deutlich höher als in vergleichbaren Internaten in China.
  • Tibetische Eltern werden gezwungen, ihre Kinder in Internate zu schicken, da es für sie keine Alternativen mehr gibt und sie meist nicht in der Lage sind, andere schulische Möglichkeiten in der repressiven Umgebung Tibets zu finden.
  • Einzelne Berichte zeigen, dass Einschüchterungen und Drohungen eingesetzt werden, um widerstrebende Eltern zu zwingen, ihre Kinder in solche Internate zu schicken.
  • Die Schülerinnen und Schüler laufen Gefahr, ihre Muttersprache und die Verbindung zu ihrer kulturellen Identität zu verlieren, weil der Unterricht hauptsächlich auf Chinesisch abgehalten wird, sie getrennt von ihren Familien und Gemeinschaften leben und daher nicht in der Lage sind, ihre Religion auszuüben, keinen Zugang mehr zur tibetischen Kultur und Tradition haben, und sie einem stark politisierten Lehrplan unterworfen sind, der sie dazu bringen soll, sich als Chinesinnen und Chinesen zu identifizieren.

Die Schülerinnen und Schüler leiden unter grossem emotionalem und psychologischem Stress, einschliesslich extremer Gefühle von Einsamkeit und Isolation als Folge der Trennung von ihren Familien, Gemeinschaften und ihrer Kultur.

Ein Elternpaar berichtet, dass sie mehrfach von Behördenvertretern und sogar von der Polizei besucht wurden. Bei einem Besuch wurde ihnen gesagt: «…Wenn wir morgen wiederkommen müssen, wird das nicht gut sein…Wenn ihr nicht auf uns hört, werden wir euch einen nach dem anderen unter Druck setzen. Das ist für uns ein Leichtes….Wenn Sie diese Politik weiterhin nicht anerkennen und sich weigern, Ihre Kinder in die Schulen zu schicken, werden wir dies als Protest betrachten.»

Flüchtlinge in Indien hatten schon früher über haarsträubende Zustände in Internaten berichtet. Vor allem Schülerinnen und Schüler aus ärmlichen Verhältnissen seien betroffen von körperlicher Misshandlung, sexuellem Missbrauch, Rassismus und Diskriminierung.

Tibet Action Institute, 7. Dezember 2021 // Dr. Uwe Meya

Foto: Tibet Action Institute

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