Focus Tibet

Selbstmorde wegen inhumaner Bedingungen in Corona-Isolation

Angesichts unhaltbarer Zustände in der von den Behörden in Lhasa verordneten Isolation haben sich laut TCHRD und ICT fünf Menschen das Leben genommen. Beide Organisationen konnten aufgrund von Posts in den sozialen Netzwerken Weibo und WeChat die genauen Orte der Selbstmorde feststellen. Alle fünf Selbstmorde ereigneten sich zwischen dem 23. und 25. September in verschiedenen Quartieren von Lhasa. Mindestens drei Personen kamen durch Sprünge aus ihren Isolations-Unterkünften ums Leben, wie Augenzeugen berichten. Videos auf Weibo zeigen in diesen drei Fällen leblose Körper auf der Strasse, jeweils umringt von Personen in Schutzanzügen, die die Opfer untersuchen. Bildmaterial und detaillierte Information von den anderen beiden Fällen liegen nicht vor, allerdings erscheinen THCRD und ICT die Schilderungen auf Weibo ebenfalls glaubhaft. Kommentare auf Weibo und WeChat, in denen die Bedingungen in Isolation als «Hölle» bezeichnet werden, bezeichnen die Isolationsmassnahmen als Auslöser der Selbstmorde.

Seit August sind in den grössten Städten wie Lhasa und Shigatse strenge und willkürlich anmutende Isolationsmassnahmen in Kraft. Betroffene berichten in sozialen Medien über die unterschiedslose Isolation von negativ und positiv Getesteten, die teils über Stunden zusammen in Bussen vor den Zentren ausharren müssen und ebenso unterschiedslos in teils nur im Rohbau fertigen Häusern zusammengesperrt werden. Hier stecken sich mutmasslich noch Gesunde an; medizinische Hilfe für akut Erkrankte sei oft nicht vorhanden. Eine Schwangere habe eine Fehlgeburt erlitten. Radio Free Asia berichtet von drei Todesfällen, unter ihnen ein tibetischer Arzt, aufgrund fehlender medizinischer Betreuung. Die Behörden verhielten sich gleichgültig, die sanitären Zustände in den Unterkünften seien prekär und das Essen bleibe oft aus oder sei verdorben. Manche würden zahlreichen Covid-Tests unterzogen (ein Betroffener berichtete von 24 Test, von denen nur der letzte positiv gewesen sei), andere klagten über ausgefalle Tests, weil kein medizinisches Personal erschien.

Zwar drohen die Behörden mit Strafen bei Verbreitung derartiger Nachrichten auf Weibo und die Zensurbehörde löscht Beiträge schnell, konnte aber die Flut von Posts in den sozialen Netzwerken nicht rechtzeitig bewältigen. Nach einer ungewöhnlichen offen abgegebenen Entschuldigung des Vize-Bürgermeisters von Lhasa seien die Strafen dann sofort durchgesetzt worden; alle, die noch weiter Posts verfassten, seien inzwischen in Haft.

Radio Free Asia, 16. September 2022 // Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD), 28. September 2022 // International Campaign for Tibet (ICT), 29. September 2022 // Dr. Uwe Meya

Fotos: International Campaign for Tibet

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