Ein Bericht des UNHCR äussert «grosse Besorgnis» über die Politik der Zwangsarbeit und erzwungenen Umsiedlungen, die nicht nur die tibetische Gemeinschaft unter chinesischer Herrschaft betreffen, sondern auch andere Gemeinschaften wie Uiguren, Kasachen und Kirgisen. Wörtlich heisst es in der Medienmitteilung des UNHCR: «In vielen Fällen sind die Zwangsmassnahmen so schwerwiegend, dass sie einer gewaltsamen Umsiedlung und/oder Versklavung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen können.»
In Tibet bezieht sich die Besorgnis auf den seit 2018 begonnenen Plan der zwangsweisen Umschulungen von sogenannten «überflüssigen» Arbeitskräften im landwirtschaftlichen Sektor. Betroffene, die von Regierungskadern in ihrer Region nach vorgegebenen Quoten identifiziert werden, müssen sich unter Androhung von Strafe in militärisch organisierten Camps für niedrig entlohnte Berufe umschulen lassen. Danach werden sie gewöhnlich in schlecht bezahlte Sektoren wie Gastronomie oder Fahrdienste in beliebige Regionen der Volksrepublik China delegiert [vergl. Tibet-Information vom 23. September 2020; UM]. Die Zahl der Betroffenen wird im Jahr 2024 allein auf 650’000 geschätzt.
Weitere Elemente sind das Sesshaftmachung von Nomaden und die zwangsweise Umsiedlung von ganzen Dörfern [vergl. Tibet-Information vom 31. Januar 2014 und 24. Mai 2024; UM]. Dieses Programm zeigt laut UNHCR ebenfalls deutliche Zeichen von Zwang, wie wiederholten Besuchen von Kadern, um die Betroffenen zu «überzeugen», oder Androhung von Strafe oder Verlust staatlicher Unterstützungsleistungen. Hier schätzt UNHCR die Zahl der betroffenen Nomaden, die zwischen den Jahren 2000 und 2025 umgesiedelt wurden oder deren Häuser Umbauten zu permanenten Wohnsitzen erforderten, auf 3.36 Millionen. Von der zwangsweisen Umsiedlung ganzer Dörfer oder Behausungen, oft in mehrere hundert Kilometer entfernte Orte, waren nach offiziellen Statistiken im Jahr 2024 insgesamt 930’000 Personen betroffen.
Zusammenfassend stellt UNHCR fest, diese Massnahmen seien «Teil einer Regierungspolitik, die unter dem Deckmantel der Armutsbekämpfung darauf abzielt, die kulturelle Identität … gewaltsam umzugestalten». UNHCR weist auf die Langzeit-Probleme hin, wenn nomadisch oder sich grösstenteils selbstversorgende Populationen gezwungen werden, zu reiner Lohnarbeit zu wechseln. Dieses führt nicht nur zu sozio-kultureller Entwurzelung, sondern auch zur Verschleierung von Zwangsarbeit in globalen Lieferketten.
Dr. Uwe Meya, Tibet-Information, 28. Januar 2026
UNHCR, 22. Januar 2026