Gemeinsam die Weichen für die Zukunft stellen

8. Juni 2026

Nach über 40 Jahren Engagement für Tibet widmete sich die GSTF an der Mitgliederversammlung (MV) 2026 in Basel ihrer strategischen Neuausrichtung. Rund 60 Teilnehmende diskutierten im „World Café“ zentrale Zukunftsfragen. Die Ergebnisse bilden die Basis für einen Weiterentwicklunsprozess, der bis zur nächsten MV von einer Arbeitsgruppe begleitet wird.

Arbeitsgruppe GSTF Weiterentwicklung

Bedürfnisse der Tibeter:innen in der Schweiz

Die tibetische Gemeinschaft befindet sich in einem Transformationsprozess zwischen erfolgreicher Integration und der Angst vor ihrem Kulturverlust.

Identität im Wandel

Ein zentraler Aspekt ist der Generationenwechsel. Während die erste Generation noch stark vom Exil-Gedanken geprägt war, entwickelt die jüngere Generation eine schweizerisch-tibetische Identität:

Integration versus Wurzeln: Dem Bedürfnis nach gesellschaftlicher Teilhabe steht der Wunsch gegenüber, Sprache, Religion und Kultur lebendig zu halten.

Prioritätenverschiebung: Beruf und Familie absorbieren oft die Energie, die früher vermehrt in politisches Engagement floss.

Soziale Dynamik und neue Ängste

Die tibetische Gemeinschaft ist zweigeteilt. Viele sind gut integriert, während andere sich aus Angst vor Assimilation zurückziehen. Das Bedürfnis nach einem Kulturaustausch auf Augenhöhe wächst zunehmend. Besonders besorgniserregend ist die transnationale Repression, denn das Bedürfnis nach Schutz vor Überwachung durch die Volksrepublick China (VRC) auf Schweizer Boden nimmt stark zu. Zudem bleibt die Unterstützung für Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus unverzichtbar.

Situation in Tibet: Systematischer Ethnozid

Die Analyse zeichnet ein düsteres Bild einer existenziellen Bedrohung, begleitet von globaler Gleichgültigkeit.

Kulturelle Auslöschung und Isolation

Tibet erlebt eine zunehmende Radikalisierung der Unterdrückung. Durch chinesische Internatsschulen und das Verbot der tibetischen Sprache wird gezielt indoktriniert. Experten befürchten, dass die tibetische Identität langfristig nur im Exil überleben kann. Das Land ist durch umfassende Überwachung praktisch isoliert.

Die „Tibet-Müdigkeit“ der Welt

Ein schmerzhafter Aspekt ist der Verlust an internationaler Aufmerksamkeit. Zahlreiche Krisen lassen das Thema von der globalen Agenda verschwinden. Seine Heiligkeit der Dalai Lama bleibt weiterhin der zentrale Anker, doch die Sorge um seine Nachfolge wiegt schwer.

Aufgaben und Chancen für die GSTF

Die GSTF muss ihre Rolle als Brückenbauerin neu definieren, um relevant zu bleiben.

Strategische Handlungsfelder

Generationendialog: Ältere und jüngere Mitglieder sollten durch Erfahrungsaustausch und moderne Projekte (Social Media, Podcasts) miteinander vernetzt werden.

Kooperation statt Isolation: Die Zusammenarbeit mit anderen Tibet-Organisationen sollte verbindlicher werden, um Synergien zu nutzen.

Politisches Plädoyer: Die GSTF sollte weiterhin die Sichtbarkeit Tibets in Medien und Politik hartnäckig einfordern.

Chancen

Die langjährige Expertise der GSTF ist ein wertvolles Kapital. Durch die digitale Reichweite können neue Sympathisant:innen gewonnen werden. Die GSTF positioniert sich als Plattform für politisches Bewusstsein und Sichtbarkeit.

Prioritäten für die kommenden Jahre
  • Priorität 1: Verjüngung und Kommunikation
    Die nachhaltige Sicherung der Zukunft steht an erster Stelle. Dies umfasst eine zeitgemässe Öffentlichkeitsarbeit, um Tibet nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und es in verschiedensten Bildungsinstitutionen präsent zu halten.
  • Priorität 2: Strategische Vernetzung
    Eine Effizienzsteigerung durch eine enge Kooperation mit den tibetischen Organisationen ist unerlässlich. Bedürfnisse sollen aktiv eruiert und eine globale Vernetzung mit weiteren unterdrückten Volksgruppen angestrebt werden.
  • Fazit aus der MV26
    Die GSTF als dynamische Plattform lebt die Formel: Erfahrung/Engagement + digitale Dynamik + verbindliche Kooperationen = maximale Wirkung.

Die Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der GSTF setzt sich aus Claudia Hoven, Margrit Schmied, Regula Erazo, Tenzin Wangmo und Gerda Bieber zusammenWir halten Sie auf dem Laufenden und berichten auch in der nächsten Ausgabe darüber, wie es weitergeht und wie Sie sich einbringen können.

Diese drei Fragen wurden an der MV diskutiert:

1. Welche Veränderungen erlebe ich bezüglich der Bedürfnisse der Tibeter:innen in der Schweiz?
2. Welche Aufgaben und Chancen ergeben sich daraus konkret für die GSTF?
3. Welche zwei bis drei Themen bzw. Aufgaben sollte die GSTF in den nächsten Jahren besonders verfolgen, um mit ihrer treuen Freundschaft zu Tibet mehr Wirkung zu erzielen?