Allgemein

Tibet-Information der GSTF vom 13. Oktober 2014

Weitere Selbstverbrennung in Tibet

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich am 16. September eine weitere Selbstverbrennung, ereignet, was die Zahl insgesamt auf 133 steigen lässt. Diese Selbstverbrennung geschah einen Tag vor der bereits früher bekannten Selbstverbrennung von Lhamo Tashi. Der 42-jährige Tibeter Kunchog zündete sich vor einer Polizeistation im Bezirk Gade in der Präfektur Golog an. Andere Tibeter eilten herbei und lieferten ihn in ein Spital in der Provinzhauptstadt Xining ein. Kunchog hat die Selbstverbrennung überlebt, jedoch hat er grossflächige Brandverletzungen erlitten, so dass die Angehörigen seinen Tod befürchten. Er leide grosse Schmerzen und mache sich Vorwürfe, dass er seine Selbstverbrennung überlebt habe.

Die Nachrichten erreichten das Ausland weger einer verhängten Nachrichtensperre erst mit beträchtlicher Verzögerung. Auch wurde der Name des Spitals von den Helfern geheim gehalten, da die Helfter befürchteten, Konchog könne von der Polizei deportiert werden; auch allen Helfern drohen erhebliche Strafen. Konchog hat einen Sohn und eine Tochter, die beide als Mönch bzw. Nonne in lokalen Klöstern leben. Ein weiterer Informant berichtete RFA, dass die Behörden nach der Selbstverbrennung an zahlreichen „sensiblen“ Punkten in Gade Überwachungskameras installiert hätten.

Harte Restriktionen in Driru

Im Bezirk Driru, der seit einem Jahr Schauplatz von Protesten und auch Selbstverbrennungen ist, haben die Behörden weitere harte Restriktionen bekannt gegeben. Gemäss einem Informanten von RFA wurde am 20. September eine einmontige Kampange unter dem Namen „Besserung und Reinigung“ gestartet. Regierungsmitarbeiter verteilen die 30-seitige Broschüre, die alle Bestimmungen enthält, an jedes Kloster und jede Gemeinde in Driru.

Alle religiösen Bauwerke, die nach 2010 errichtet wurden, sind illegal und müssen niedergerissen werden. Auch Einsiedelein von Klöster, die nach dem 1. November 2011 gebaut wurden, werden abgerissen. Verantwortlich dafür sind diejenigen Klöster und Gemeinden, die sie vorher errichtet haben.

Mönche, die 12 Jahre oder jünger sind, dürfen nicht einem Kloster beitreten, und solche, die sich bereits im Kloster befinden, müssen bis 20. Oktober zu ihren Familien zurückkehren. Familien, die sich weigern, ihre Kinder zurück zu nehmen, können für 6 Monate inhaftiert werden, und Klostervorstände, die die Kinder in den Klöstern behalten, werden selbst ausgewiesen und bestraft. Alle Mönche und Nonnen müssen die chinesische Flagge auf den Dächern hissen und Fotos chinesischer Führer aufstellen, sonst werden sie des Klosters verwiesen. Der Besitz von Bildern des Dalai Lama ist verboten. Wenn bei Mönchen und Nonnen solche Fotos gefunden werden, müssen sie an einer „Umerziehung“ teilnehmen und verlieren alle staatlichen Unterstützungen. Alle übrigen Tibeter müssen in solch einem Fall für 6 Monate an einem „Auffrischungskurs“ teilnehmen.

Sohn eines Hotelbesitzers überfährt protestierende Tibeter: 3 Tote

Nach einer Auseinandersetzung über Essenpreise in einem Hotel-Restaurant am 26. September ist der Sohn des Hotelbesitzers mit seinem Auto in eine Gruppe von tibetischen Studenten gefahren. Drei Studentinnen starben, eine vierte ist verletzt.

Die Studenten wohnten in dem Hotel im Bezirk Rongtrag in der osttibetischen Präfektur Kardze, um an den Aufnahmeprüfungen für Arbeitsstellen in der Regierung teilzunehmen. Der Streit entzündete sich, als die Studenten reklamierten, die Essenrechnung im Hotel sei höher ausgefallen als zuvor auf der Speisenkarte vermerkt. Nachdem die Studenten unter Protest das Restaurant verlassen hatten, folgte ihnen der Sohn des Hotelbesitzers mit dem Auto und fuhr in die Gruppe.

Am Tag darauf begannen die Eltern der drei getöteten Studentinnen einen stillen Protest mit Plakaten und Fotos vor einem Regierungsgebäude. Als sie die Herausgabe der Leichen verlangten, stellte sich heraus, dass diese auf behördliche Anordung bereits kremiert worden waren. Die Polizei publizierte einen Untersuchungsbericht, der die Schuld an dem Vorfall allein den Studenten gab.

13 Verletzte durch Schussverletzungen nach Protest gegen Minenarbeiten

Ein weiteres Mal wurden Proteste gegen Minenarbeiten blutig niedergeschlagen. Im Dorf Tsang Tobgyal in der Präfektur Shigatse erlitten 13 Tibeter, unter ihnen eine schwangere Frau, Schussverletzungen, als Sicherheitskräfte den Protest gegen Minenarbeiten mit Waffengewalt beendeten. Die Bewohner hatten Regierungsgebäude umringt, um gegen eine Mine in der Region zu protestieren, die Gold, Kupfer und Mineralien gewinnt.

Der Vorfall ereignete sich am 9. August, wurde aber wegen der Nachrichtensperre erst jetzt bekannt. Nach den Schüssen warfen die Tibeter mit Steinen, was noch mehr Verletzte auf beiden Seiten hinterliess. Mehrere Appelle zur Beendigung der Arbeiten wegen der Umweltzerstörungen waren zuvor ungehört geblieben. Nach Angaben von Informanten sei der lokale Sekretär der Kommunistischen Partei dafür bekannt, dass er Bestechungsgelder von der Minengesellschaft nimmt und mit Berufung auf die Zentralregierung den Fortgang der Arbeiten genehmigt.
Quellen: Radio Free Asia RFA; Phayul

Zusammengestellt und redigiert für die GSTF von Dr. Uwe Meya

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